Von Cornelia Jacobsen

Zwölf Assistenzärzte verschiedener Münchner Kliniken wählten in der vergangenen Woche wieder einmal den Weg in die Öffentlichkeit und hielten eine Pressekonferenz ab. Geschehen war dieses:

In dem Mitteilungsblatt „Münchener Ärztliche Anzeigen“, dem offiziellen Publikationsorgan des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes München (ÄKBV), einer Vereinigung, in der jeder approbierte Mediziner Pflichtmitglied ist, war am 26. Juli ein Bericht über die außerordentliche Mitgliederversammlung des ÄKBV erschienen. Darin wurde behauptet, der Vorsitzende des Assistentenkonvents in der medizinischen Fakultät der Universität München, Dr. Rainer Runte, habe „trotz zweimaliger Verwarnung (durch den 1. Vorsitzenden des ÄKBV, Dr. von Brentano) in seinem Vortrag diffamierende Äußerungen über ein Mitglied des ÄKBV“ vorgebracht. Außerdem wurde Dr. Runte vorgeworfen, daß es sich „bei der Behandlung dieser Angelegenheit um einen Eingriff in ein schwebendes Verfahren“ gehandelt habe.

Das angeblich diffamierte Mitglied ist der mächtige Herrscher des „Klinikums rechts der Isar“, Professor Dr. Maurer; die Angelegenheit, um die es sich handelt, war Maurers vielkommentiertes Verhalten im Fall des Assistenzarztes Dr. Jacobi (ZEIT Nr. 15/1969).

Dr. Runte. fühlte sich durch diesen Bericht nun seinerseits angegriffen und bat den Schriftleiter des Blattes, Professor Dr. Borelli (Ordinarius für Dermatologie im Klinikum rechts der Isar), eine Gegendarstellung abzudrucken. Die „diffamierenden Äußerungen“ in seinem Vortrag waren seiner Meinung nach nur eine sachliche Darstellung der unglaublichen Vorgänge am Klinikum rechts der Isar gewesen, und von einem schwebenden Verfahren konnte nicht die Rede sein.

Der Bitte Dr. Runtes wurde nicht entsprochen; statt dessen erschien zwei Wochen später diese Mitteilung in den „Ärztlichen Anzeigen“: „Nach einem Beschluß des Vorstandes des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes München vom 12. November 1965, zur Frage von Veröffentlichungen einzelner Ärzte und Arztgruppen, werden Kampfartikel und Angriffe nicht zur Veröffentlichung aufgenommen. Die Schriftleitung.“

Dr. Runte ging vor Gericht und konnte eine Einstweilige Verfügung gegen Professor Borelli erwirken. Die Schriftleitung wurde dazu verurteilt, die Gegendarstellung abzudrucken sowie die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.