Eine "Erklärung von grundlegender politischer Bedeutung" erwartet die tschechoslowakische Führungsspitze als Ergebnis ihres neuntägigen offiziellen Freundschaftsbesuches, zu dem sie sich zur Zeit in der Sowjetunion aufhält. Politische Beobachter in Moskau rechnen damit, daß der Kreml die Ausbootung der tschechoslowakischen Reformer die Wiederherstellung der orthodoxen Linie und die offizielle Rechtfertigung der Invasion durch Prag mit einer großen Anleihe für die notleidende Wirtschaft der ČSSR honorieren wird. Auf die "Normalisierung" der sowjetisch-tschechoslowakischen Beziehungen deutete auch die Herzlichkeit hin, mit der Parteichef Husák, Staatspräsident Svoboda und Ministerpräsident Černik in Moskau empfangen wurden. Das sichtbarste Zeichen für die Wiederaufnahme der ČSSR in den "Freundschaftskreis" Moskaus lieferte das Regierungsblatt "Iswestija"; es widmete ČSSR-Staatsgästen erstmals seit zwei Jahren wieder einen Begrüßungs-Leitartikel.