Warum offene Türen einrennen, wo es daneben so viele verschlossene gibt.

Viktor Shemtschushnikow

Kultusminister von Friedeburg

Der hessische Ministerpräsident hat Mut und Unabhängigkeit von Schablonen bewiesen, als er sich entschloß, Ludwig von Friedeburg als Kultusminister zu berufen. Der wissenschaftliche Ruf des 45jährigen Soziologen, der vor drei Jahren von Berlin nach Frankfurt zurückkehrte (wo er 1960 Privatdozent geworden war), litt darunter, daß er als Frankfurter doch nicht der "Frankfurter Schule" (Horkheimer, Adorno, Habermas) zugezählt werden, konnte. In seinem Amt dürfte es ihm helfen, daß er eher Pragmatiker geblieben ist. Über drei hochaktuelle Themen hat er wissenschaftlich gearbeitet: Meinungsforschung, Intimsphäre und Studentenrevolte. Bei den Diskussionen der Bildungsforscher war er häufiger und gerngesehener Gast. Seine Umgangsformen sind nach allen Seiten verbindlich. Die Vorausetzungen sind also zumindest vielversprechend.

Das Ende eines Skandals

Die Glückwünsche für Peter Scholl-Latour, den am Wochenende gewählten Fernsehdirektor des Westdeutschen Rundfunks und bisherigen ARD-Korrespondenten in Paris, fallen etwas mühsam aus, wenn auch nicht wegen seiner Qualifikation, die unbestritten ist. Er war der Überraschungskandidat, gegen den sich niemand mehr wehren mochte, nachdem die nordrhein-westfälischen Politiker in dem ein Jahr währenden Proporzkampf um den wichtigen Fernseh-Posten ungefähr alle Kandidaten verschlissen hatten, die dafür in Frage gekommen wären. Daß sie sich jetzt überhaupt entschieden, muß schon als Gnadenerweis gelten. Ursprünglich plädierte Ministerpräsident Kühn, der zweite Vorsitzende des Verwaltungsrats, dafür, auch noch die Landtagswahlen im kommenden Jahr abzuwarten, nachdem schon die Bundestagswahlen ein Hinderungsgrund für eine schnelle Entscheidung gewesen waren. Unter den Opfern dieses offenen Kuhhandels war Franz Wördemann, der Chefredakteur des WDR-Fernsehens und Kandidat des WDR-Intendanten Bismarck, nur das erste einer ansehnlichen Reihe. Bevor Peter Scholl-Latour, der unter der Marke: "liberaler Konservativer ohne Parteibuch" das Rennen machte, Programme konzipiert, wird er zusehen müssen, wie er soviel zerbrochenes Porzellan im Hause des WDR wieder kittet.

Manipulationen in "konkret"