Von Heinz Josef Herbort

Zehn Tage lang durften die Kardinäle und Bischöfe, die in Rom zur Außerordentlichen Weltsynode versammelt waren, Vorträge und Diskussionsbeiträge aus einsamen theologischen Höhen vernehmen, dann platzte einigen von ihnen der Kragen. Wenn man mit leeren Händen, ohne konkrete praktische Ergebnisse nach Hause gehen müsse, so empörten sich die deutschen Kardinäle Bengsch (Berlin) und Döpfner (München), sei die ganze Synode eine unnütze Veranstaltung gewesen.

Eine Woche später, am vergangenen Montag, gab Papst Paul VI. seinen 147 Synodalen als Abschiedsgeschenk außer einem Kelch doch wenigstens drei Zugeständnisse mit auf den Weg: Die Bischofssynode wird künftig regelmäßig alle zwei Jahre tagen; das römische Sekretariat der Synode soll eine ständige Einrichtung werden; die Bischöfe dürfen über das Sekretariat Vorschläge für die Tagesordnungen der Bischofssynoden einreichen. Im übrigen versprach der Papst, er werde "die verschiedenen Abstimmungen mit großer Gewissenhaftigkeit bedenken".

Ein außerordentlich mageres Ergebnis, das klar zeigt, mit welchen vatikanisch-kurialen Realitäten die Kirche knapp vier Jahre nach dem Konzil bereits wieder rechnen muß.

Nun werden also in zweijährlichem Turnus die Delegierten aus der Weltkirche sich in Rom versammeln: ein Schattenparlament ohne jede Kompetenz; denn das Recht der Beschlußfassung hat der Papst der Synode nicht konzediert. Einzelne Bischöfe werden im Sekretariat mitarbeiten: ohne größere Aussicht auf Erfolg, denn die mächtige römische Kurie hat die Hand am entscheidenden Drücker. Die nationalen Bischofskonferenzen werden Themen für künftige Beratungen vorschlagen: die Vorschläge werden ebenso unter den Tisch fallen, wie jetzt die vor Synodenbeginn geäußerten Wünsche, über aktuelle Fragen nachzudenken, in den Wind gesprochen waren. Keines der Themen – Mischehe, Geburtenkontrolle, Selbstverständnis der Priester, Verpflichtung zum Zölibat, demokratische Wahl von Bischöfen und Papst – wurde berührt. Statt dessen durften die Synodalen, eine Woche lang, den lateinisch zu haltenden Ansprachen über die theologische Basis des Verhältnisses zwischen Bischöfen und Papst, der sogenannten "Kollegialität", lauschen; gab es viele Dokumente mit dem Aufdruck "Geheim" (in denen aber, wie der englische Kardinal Heenan klagte, "nichts Aufregendes" stand, das die Geheimhaltung rechtfertigte); veranstaltete man schließlich eine Abstimmung: nicht etwa über das zu Beginn der Synode vorgelegte doktrinäre "Schema", sondern darüber, ob das von einem Kardinal über dieses Schema abgegebene Referat als Grundlage für weitere Studien zur Frage der Kollegialität benutzt werden soll. Komplizierter geht es auch in Rom nicht mehr. Nun also wird sich eine internationale Theologenkommission mit dem Thema beschäftigen.

Die Tatsache aber, daß da niemand aufstand, dem die Zeit zu schade war für theologischen Formalismus und klerikal-verschwommene Spiritualität, zeigt, wie sehr die Bischöfe noch ihrer Subalternität verhaftet sind. Insofern ist ihr Verlangen nach größerer kollegialer Mitverantwortung und Selbständigkeit beinahe ein Anachronismus. Die von ihnen selbst erarbeitete Vorlage macht dies an einer Stelle deutlich, wo es heißt: "Alle bekennen die volle Freiheit, die der Papst auf Grund des ihm eigenen Amtes besitzt, sich bestimmte Angelegenheiten vorzubehalten und zu entscheiden", oder an jener anderen, wo die Bischöfe dem Papst "ihre Mithilfe an(-bieten), insbesondere bei der Behandlung wichtigerer Angelegenheiten".

Kein Wort mehr in diesen Vorschlägen von der wesentlichen Lehre des II. Vatikanischen Konzils, die auch noch in den ersten Diskussionsbeiträgen vertreten wurde, daß nämlich die Bischöfe mit und unter dem Papst Träger der vollen und höchsten Autorität in der gesamten Kirche seien. Die "Kollegialisten" haben zu früh resigniert. Zu deutlich haben sie sich von denen zum Schweigen bringen lassen, die von der zu wahrenden "Einheit" sprachen, aber die triumphale Macht meinten.