Von Siegfried Schober

ssays, die weder mit der Kritik noch mit deren Gegenstand fahrlässig und billig umgehen und doch durchsichtig, lesbar und offen bleiben, sind nicht umsonst, gerade was die jüngste ästhetische Praxis und Theorie angeht, so selten.

Kaum daß es eine auffallende Reihe profilierter Kritiker gibt, die einem größeren Publikum konsequent und dezidiert modern Bedingungen und Möglichkeiten der Werke, die unter ihre jeweilige kritische Sparte fallen, ebenso informativ wie kritisch aufzuzeigen und bewußt zu machen vermögen. Erst recht sind jene Kritiker, die praktische und theoretische Verbindungen und Affinitäten zwischen verschiedenen Kunstgattungen erfolgreich sehen und darstellen können, erstaunliche Ausnahmeerscheinungen; wie etwa Walter Benjamin, wie vor allem der Russe Viktor Schklowskij und der dem russischen Formalismus nahestehende Tscheche Karel Teige in früherer Zeit, der Italiener Umberto Eco und der Franzose Roland Barthes gegenwärtig.

Der Amerikanerin Susan Sontag gelingt es zwar selten, das Niveau, die Stringenz und Originalität dieser Kritiker, von denen sie zum Teil beeinflußt ist, zu erreichen, doch angesichts der allgemeinen Situation der populären Kritik müssen ihre Arbeiten –

Susan Sontag: "Kunst und Anti-Kunst", 24 literarische Analysen, aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien; Rowohlt Paperback 69, Rowohlt Verlag, Reinbek; 318 S., 12,80 DM

– trotz enormer Schwächen und Mängel nicht nur als ein höchst sympathisches, sondern auch als ein sehr eindrucksvolles, lehrreiches und bewundernswertes Unternehmen hervorgehoben werden.

Dabei sollen gerechterweise ein paar nicht unerhebliche, wenn auch trivial erscheinende Schwierigkeiten, die Susan Sontags Arbeiten in gewisser Hinsicht bestimmt und beeinträchtigt haben dürften, nicht unerwähnt bleiben.