Von Klaus Emmerich

Ihrer Majestät außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter wird erneut tätig: In einer förmlichen Note teilt er dem Außenministerium ohne Umschweife zur freundlichen Veranlassung mit, daß am Vortag erneut ein Frachter den Hafen Beira (Moçambique) verlassen habe.

Pflichtgemäß tritt das Außenministerium in Aktion, eingedenk der Resolution Nummer 232 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, verabschiedet am 16. Dezember 1966. Auf die "explosive Lage in Südrhodesien, die den übernationalen Frieden und die Sicherheit bedroht", hatte das oberste Gremium der Weltorganisation, die UN-Generalversammlung, schon im Oktober und November 1965 hingewiesen.

Seitdem wird personalrechtlich eine totale Handelssperre von den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen und der Bundesrepublik Deutschland exekutiert; die Schweiz und Österreich beteiligten sich nicht. Woche für Woche marschieren britische Diplomaten mit der Rückendeckung der UN zu den Regierungen in Paris und Bonn, Rom und Bern und so weiter und so weiter.

Die Sache ist politisch wirkungslos, wirtschaftlich korrumpierend. Der Rhodesienhandel blüht, und das Regime Smith in Salisbury ist politisch nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Es bestätigt sich die alte Eigengesetzlichkeit und wirtschaftshistorische Erfahrung: Sanktionen sind in Friedenszeiten als Mittel der politischen Auseinandersetzung untauglich.

Embargo, Blockade und andere wirtschaftliche Strafmaßnahmen werden zwar mit großem Theaterdonner angekündigt und oft nur mit politischen und völkerrechtlichen Klimmzügen zustande gebracht. Sie verfehlen jedoch ihr Ziel, da die Bestraften zu einer starken inneren Solidarisierung gebracht und in Märtyrerrolle zu (oft unerwarteten) Verzichtleistungen oder wirtschaftlich-technischen Substitutionen durch Eigenleistungen angespornt werden.

Die phantasievollste Skala von restriktiven Maßnahmen eines Staates oder einer Staatengruppe gegen ein Land oder eine Ländergruppe traf den Initiator meistens wie ein Bumerang. Nur selten steht dem Embargo-Veranlasser das Machtpotential zur Verfügung, um die Handelssperre glaubhaft lückenlos zu verhängen, durchzuhalten und den Gesperrten zum Nachgeben zu bringen. In allen anderen Fällen poröser Kollektivaktionen entsteht eine Dunkelzone. In ihr wuchern Korruption und Repressalien, Verdächtigung, Umgehung und Denunziation. Blockadebrecher drängen danach, ihre oft sportlichen Umgehungserfolge zu wiederholen oder gar zu systematisieren. Die Sperrenden verlieren Prestige, müssen schließlich nachgeben, der Gesperrte geht gestärkt selbst aus dem ungleichsten Tauziehen hervor.