Nachdem Werner Schreib vor den Kameras des Hessischen Rundfunks die Psychodroge LSD eingenommen hatte, ging mit ihm eine Veränderung vor: Dieser sonst in seiner künstlerischen Potenz eher gehemmte Maler fühlte sich auf einmal frei für Erfahrungen, die ihn überwältigten. Er werde in Zukunft, versicherte er, ganz anders malen. "Die Gesellschaft" fand seine Verhaltensweise "gefährlich". Autofahren findet sie nicht "gefährlich". Werner Schreib verunglückte, wenige Monate nach seiner ersten LSD-Erfahrung, mit dem Auto tödlich. Seinen Fall, seine LSD-Bilder sowie die vieler anderer deutscher Maler von Trökes bis Eggers, vermißt man in dem Band "Psychedelische Kunst" von Robert E. L. Masters und Jean Houston, den jetzt der Droemer Knaur Verlag, aus dem Amerikanischen übersetzt, herausgebracht hat (208 S., Abb., 22,50 DM). Einer der beiden Nachteile dieses Buches: daß es sich weitgehend auf amerikanische oder in Amerika arbeitende Künstler beschränkt (wie Isaac Abrams, dessen Werk wir hier abbilden). Der andere: daß es zuwenig Fakten und Forschungsergebnisse, zuviel Blabla enthält – wozu das wissenschaftlich noch längst nicht ausreichend untersuchte Thema verführt. Ein solches Buch hätte nicht aus Amerika importiert werden müssen: Gerade in München, also unmittelbar vor der Schwelle des Droemer Knaur Verlages, ist der Arzt und Galerist Doktor Hartmann inzwischen schon ein gutes Stück weiter. Dennoch ist auch dieses Buch zu begrüßen: als ein immerhin diskutabler Beitrag zur Aufklärung über das große Thema der Bewußtseinserweiterung durch Chemie und ihre Beziehungen zum künstlerischen Arbeitsprozeß. Daß mit den uralten Drogen in ihrer neuen Form ein neuer Trend in die Kunst gekommen ist, läßt sich ja nicht übersehen. Leo