Es ist ein Lippenbekenntnis, wenn der Kongreß sich für ein nicht kommerzielles, öffentliches Fernsehen ausspricht, ohne die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen." Mit diesem unmißverständlichen Appell an die Regierung sprach Senator Vance Hartke, nach Senator John O. Pastore zweiter Mann im Kommunikationsausschuß des amerikanischen Senates, in einem Hearing über ein nichtkommerzielles Fernsehen in Washington den Streitern für ein öffentliches Fernsehen in den USA aus der Seele.

Nachdrücklich legten sie den beiden Hütern des Kommunikationswesens, Pastore und Hartke, die prekäre finanzielle Lage ihrer hilfsbedürftigen Zöglinge – der nicht kommerziellen Fernsehgesellschaften National Educational Television (NET) und Cooperation for Public Broadcasting (CPB) – ans Herz. Das unter großen Schwierigkeiten ins Leben gerufene und noch in den Kinderschuhen steckende öffentliche Fernsehen ist nämlich schon wieder in Gefahr, von dem mächtigen Konkurrenten "Werbefernsehen" vollends zermalmt zu werden und an Auszehrung zu sterben.

Das kommerzielle TV – jahrzehntelang unangefochtener Herrscher auf den amerikanischen Bildschirmen – hat sich mit seinen Werbeeinnahmen eine solide Finanzbasis geschaffen. Im vergangenen Jahr überschritten die Umsätze aus dem Verkauf von TV-Sendezeiten an Werbekunden sogar die Drei-Milliarden-Dollar-Grenze (nach vom Television Bureau of Advertising, Inc. geschätzten Bruttoumsätzen – gemessen an den Ausgaben der Werbekunden für TV-Commercials). Davon flossen allein über 1,5 Milliarden Dollar in die Kassen der drei großen Fernsehgesellschaften – Columbia Broadcasting System (CBS), National Broadcasting Company (NBC) und American Broadcasting Companies, Inc. (ABC). Die restlichen 1,5 Milliarden Dollar verteilten sich auf 640 weitere kommerzielle Fernsehstationen in den USA.

Hingegen mußten sich die öffentlichen Anstalten NET und CPB zusammen mit einem Budget von etwa 15 Millionen Dollar zufriedengeben. Davon kamen ganze fünf Millionen Dollar aus staatlichen Mitteln, die der eigens zur Unterstützung des öffentlichen Fernsehens 1967 mit dem Segen des Kongresses gegründeten CPB zugebilligt wurden. Die etwa 170 nicht kommerziellen Fernsehstationen in den USA werden zum größten Teil von Schulen und Universitäten unterhalten oder finanzieren sich aus privaten Spenden;

"Wir sind nicht in der Lage, unsere Programme auch am Wochenende zu senden, da die notwendigen Gelder fehlen", klagte der Chef der großten NET-Station (Chikago).

Zur Entrüstung aller Kämpfer für ein öffentliches Fernsehen in den USA hat die Nixon-Administration ihre Sparaxt nun auch noch bei dem schon so mageren CPB-Budget angesetzt. Die von Johnson für das Fiskaljahr 1969/1970 geforderten 20 Millionen Dollar sollen auf die Hälfte reduziert werden. Dabei sei schon der ursprünglich vorgeschlagene Betrag nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein – argumentieren die Verfechter eines nicht kommerziellen TV. Immer wieder wurde auf das Ausland verwiesen, wo man dem öffentlichen Fernsehen eine weitaus bessere Stellung zuerkenne. Im Vergleich zu Japan müßten die USA; gemessen am Sozialprodukt, 1,7 Milliarden Dollar für ein nicht kommerzielles TV ausgeben.

Bisher ist es den Fürsprechern eines öffentlichen Fernsehens in den USA noch nicht gelungen, die von klein auf mit TV-Commercials großgezogene amerikanische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines nicht kommerziellen Fernsehens zu überzeugen. Die amerikanischen Fernsehzuschauer nehmen – jüngste Umfragen lassen es erkennen – die laufende Unterbrechung der Sendungen mit Werbespots als einen "fairen Preis" für die Bereitstellung von Fernsehprogrammen hin.