Für die Ausarbeitung der Richtlinien zum Ausgleich der Einnahmenausfälle der deutschen Landwirtschaft als Folge der Mark-Aufwertung hat der EWG-Ministerrat Bonn eine Übergangszeit bis zum 9. Dezember gewährt.

Bis zu diesem Zeitpunkt darf die Bundesrepublik ihr jetziges Agrarpreisniveau beibehalten und Agrarimporte aus den EWG-Ländem, die nach der Aufwertung billiger geworden sind, durch eine Grenzabgabe in Höhe von 8,5 Prozent künstlich verteuern. Am 10. Dezember müssen die innerdeutschen Preise gesenkt werden.

In einer Marathon-Sitzung des EWG-Ministerrates wehrten sich zunächst alle EWG-Partner Deutschlands, einen Teil der bäuerlichen Einkommensverluste aus dem EWG-Agrarfonds, also aus der gemeinsamen Europa-Kasse, zu decken. Nur Luxemburg und die Europa-Kommission forderten dieses Entgegenkommen gegenüber den Deutschen, die gerade mit der Aufwertung dem Ausland entgegengekommen waren.

Bonns neuer Agrarminister Josef Ertl versuchte auf Dauer ein System von Grenzabgaben, wie sie jetzt als Zwischenlösung gelten, bei gleichzeitiger Beibehaltung der innerdeutschen Preise durchzusetzen. Damit wären das gemeinsame EWG-Preisniveau definitiv zerstört gewesen und durch die Abgabenerhebung neue Handelsgrenzen in der EWG eingeführt worden. Alle Partner und die Kommission lehnten dieses von Ertl und vom deutschen Bauernverband befürwortete Verfahren ab. Als Ausgleich für diese Niederlage fanden sich dann auf Vorschlag der Europa-Kommission die Partner-Länder doch zu Ausgleichszahlungen an die deutschen Bauern aus dem EWG-Fonds bereit. Diese Gelder fließen aber nur zwei oder drei Jahre, ihre Höhe wird schrittweise gesenkt. Die Einzelheiten hierzu will der Ministerrat am 10. Dezember festlegen.