Man hat ihn den deutschen Maillol genannt, damit den Namen ins Spiel gebracht, der von ihm selber als entscheidendes Vorbild und wichtigster Prüfstein angesehen wurde; man hat damit seinen Rang markiert und seine Grenzen. Rang und Grenzen, sie lagen in einer beharrlichen und stetigen Entwicklung, die zu plastischen Werken von so monumentaler Einfachheit führte wie dem auf der letzten Biennale in Venedig gezeigten "Geschlagenen Catcher", die andererseits aber auch nie die Grenzen der Tradition überschritt. Die

menschliche Gestalt und das Porträt waren seine großen Themen, eine immer stärker werdende Einfachheit, und Reduktion der Formen ermöglichte ihm eine immer intensivere Konzentration auf das, was ihm wichtig war: seinen Plastiken "den Ausdruck des Selbstverständlichen und sozusagen Natürlichen zu geben und das Vorbild der Natur nicht künstlich zu vergewaltigen". Gustav Seitz, in Mannheim geboren, gelernter Steinmetz, Student an den Akademien in Karlsruhe und Berlin von 1924 bis 1932, Soldat von 1940 bis 1945, Kriegsgefangener, Professor in beiden Teilen Berlins und seit 1958 Leiter der Bildhauerklasse der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, war einer der letzten Vertreter jener deutschen bildhauerischen Tradition, die durch Namen wie Barlach, Lehmbruck, Stadler und Marcks bezeichnet wird. In Hamburg ist er in dieser Woche im Alter von 63 Jahren gestorben.