Vier Fünftel der-Amerikaner haben genug vom "schmutzigen Krieg" in Vietnam, Dieses Ergebnis erbrachte eine Umfrage, die von dem angesehenen Meinungsforschungsinstitut Louis Harris durchgeführt wurde. Allerdings enthält das Umfrageergebnis eine Vielzahl von Widersprüchen. So lehnt zum Beispiel die Hälfte derer, die sich als kriegsmüde bezeichnen, ab, daß die USA in Südvietnam alles "stehen und liegen" lassen. Über die Hälfte der Befragten hält das gegenwärtige Tempo des Truppenabzugs für richtig oder gar zu schnell.

Inzwischen dauern in den Vereinigten Staaten die Spekulationen über die weitere Abwicklung des Truppenabzugs an. Wie es heißt, sollen Präsident Nixon und der südvietnamesische Staatspräsident Van Thieu Übereinstimmung in der Frage der "Vietnamisierung" des Krieges erzielt haben. Thieu soll versichert haben, daß die südvietnamesischen Streitkräfte ihr Bestes tun würden, um den Großteil der rund 500 000 Mann starken US-Streitkräfte in Vietnam bis 1970 zu ersetzen.

Unterdessen sind die Pariser Vietnam-Gespräche in eine neue Krise geraten. Die 39. Sitzung endete mit einem Mißklang: Der amerikanische Chefdelegierte Cabot Lodge verließ sie unter Protest, weil "die andere Seite Schmähreden in gehässigem Ton" gehalten habe. Zur gleichen Zeit mußten die US-Streitkräfte in Vietnam eine traurige Bilanz ziehen: Sie haben dort seit 1961 insgesamt 6000 Hubschrauber und Flugzeuge verloren.