"Mimiii", Roman von Heinrich Clauren, mit einer Kontroverspredigt von Wilhelm Hauff. "Die Jungfrau lag in ihrer ganzen Pracht dicht vor mir" – und da faßt den hartgesottenen Krieger und Ritter vom eisernen Kreuz doch der Begehrlichkeit "heftiger Schwindel": Die Schweizer "Jungfrau" ist noch nie bestiegen worden (wir schreiben das Jahr 1815), und was die naturreine Jungfrau Mimiii betrifft, so steht’s um die ganz ähnlich. Doch die Bergwelt mit ihrer Majestät macht die Menschen frömmer und besser, und wenn sich Mimiiis "schwanenweiße Brust" auch noch so "wogend aus dem Mieder drängt" – der Offizier Wilhelm bleibt trotz Lüsternheit korrekt und gibt dem "Maidli", wenn es ihm auch "blutsauer" wird, nur "hundert glühende Küsse". Erst nach der Schlacht von Belle Alliance, nach einem herzerweichend tapfer und tugendsam verlaufenen Probejahr (für seinen König und die "verklärte Luise" muß Wilhelm nochmals das "gräßliche Ungeheuer der Insel Elba" aufs Haupt schlagen) kriegt er sein Naturkind, das unschuldig-lüsterne, das auf Bergesgipfeln betet und sich ganz beiläufig unter den Rock schauen läßt. "Mimili", zu ihrer Zeit Kultgegenstand und Bestseller, ist geiler Kitsch (mit einem Schuß Militarismus), was schon Hauff erkannte und in der mitabgedruckten Philippika (einem Mittelding aus literatursoziologischer Analyse und hinterhältiger Verleumdung) geißelte. Hauffs Abrechnung mit Clauren liest sich heute ebenso interessant wie "Mimili", dies Kabinettstückchen literarischen Kitsches. (Bibliotheca Erotica et Curiosa, Verlag Rogner & Bernhard, München; 172 S., 9,– DM) Jörg Drews

"Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer S.C.U.M." von Valerie Solanas. Auf die Frage, warum sie auf Andy Warhol, den Inbegriff für Pop-Kultur, geschossen habe, antwortete Valerie Solanas der Polizei: "Ich habe eine Menge schwerwiegender Gründe. Lesen Sie mein Manifest..." Warhol war das erste und bislang auch letzte Opfer ihrer Philosophie von der Notwendigkeit, die Männer zu vernichten, und Valerie Solanas ist, soweit bekannt, das einzige Mitglied ihrer Society for Cutting Up Men (S.C.U.M.: scum = Abfall, Abschaum). Die revolutionäre Gruppe "Up Against the Wall, Motherfuckers" definierte den Anschlag als ein kulturelles Äquivalent zum politischen Mord und feierte den Vorfall mit den Worten: "Valerie lebt!" Warhol, nebenbei, auch noch. Der Arbeitskreis Frauenemanzipation in Frankfurt, offensichtlich hart im Nehmen, bezeichnet Valeries mörderische Wutausbrüche, "das Dreckschwein Mann" betreffend, schlicht als einen der "skurrilsten" Versuche zur Lösung des Emanzipationsproblems und müht sich im Nachwort redlich um einen Hauch von Wissenschaft. Die weibliche und vor allem männliche Allgemeinheit dürfte allerdings schockiert sein, schwarz auf weiß zu sehen, daß der Mann "eine biologische Katastrophe", "ein halbtoter, reaktionsloser Klotz" sei, "nicht einmal als Zuchtbulle geeignet", aber "geil wie ein Vieh", der alles permanent "in einen Scheißhaufen" verwandele. Er ist, laut S.C.U.M., das aus dem Weg zu räumende Hindernis für eine von Gesetzen und Regierungen befreite Welt. (März Verlag, Darmstadt; 102 S., 5,– DM)

Christel Buschmann