Von Robert Lucas

Er streckte mir zur Begrüßung herzlich die Hand entgegen. Die rechte – was ausdrücklich vermerkt werden muß, denn Michael Barsley ist linkshändig, Gründer, Vorsitzender und Geschäftsführer des englischen "Verbandes der Linkshänder", wehrhafter und witziger Kämpfer für die Rechte der unterdrückten Minderheit der Sinistralen.

"Wie ich dazu kam, diese Organisation zu gründen?" Und damit ging’s los. "1947 stattete König Georg VI. Südafrika einen Besuch ab. War damals noch britisches Dominion, nicht wahr? All right, großer Staatsbesuch mit ganzer Royal Family, und der König eröffnete das südafrikanische Parlament. Ich war damals BBC-Regisseur und mußte die Tonbandaufnahme der Thronrede für die Rundfunksendung vorbereiten. Sie wissen aber... ? Genau! Georg VI. stotterte. Es kam gar nicht in Frage, die Rede im Original zu senden. So setzte ich mich mit dem Pressereferenten im Buckingham Palace in Verbindung und bat um Erlaubnis, die langen Pausen zwischen den Worten des Königs aus dem Tonband herauszuschneiden. Sie verstehen, das war eine heikle Angelegenheit: Reden des Monarchen wurden bis dahin als tabu betrachtet, sie mußten im Rundfunk ungekürzt gesendet werden, genau wie sie gesprochen worden waren. Nun, Buckingham Palace war einverstanden. Ich schnitt die Pausen heraus, die Rede wurde dadurch auf ungefähr ein Fünftel der ursprünglichen Dauer reduziert."

"Ich verstehe. Aber was hat das ... ?"

"Einen Moment. In diesen Gesprächen mit dem Buckingham Palace erfuhr ich so nebenbei den Ursprung des königlichen Sprachfehlers: Georg VI. war ein Linkshänder. Wußten Sie das? Wenn Sie einmal im Kino sahen, wie er Tennis spielte, dann müssen Sie bemerkt haben, daß er den Schläger in der linken Hand hielt. Aber – als er sieben oder acht Jahre alt war, hatte ihn eine sadistische Gouvernante gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben. Das verursachte es, das Stottern. Eine Neurose. Kommt gelegentlich vor, wenn linkshändige Kinder gezwungen werden, sich der Norm zu fügen."

Das gab Michael Barsley zu denken. Er wollte mehr über dieses – sein eigenes – Phänomen der Linkshändigkeit erfahren, was sich als erstaunlich schwierig erwies, eine kuriose Tatsache, wenn man bedenkt, daß es in der Welt schätzungsweise 200 Millionen Linkshänder gibt. Er stellte fest, daß, abgesehen von der Fachliteratur, nicht ein Buch existierte, das alle Aspekte des Problems behandelte. So beschloß er, eines zu schreiben. Wegen der anderen Bücher, die er zwischendurch veröffentlichte, und wegen seiner Rundfunk- und Fernsehverpflichtungen brauchte er dazu mehr als zehn Jahre.

Er entdeckte einige faszinierende Tatsachen, vor allem: wie tief verwurzelt und weit verbreitet das Vorurteil gegen Linkshänder ist. Selbst die Sprache ist, solches uraltes Präjudiz widerspiegelnd, gegen die eine Seite des symmetrischen Körpers mobilisiert.