Unsere neue, nicht mehr ganz und gar "heile" Welt schafft auch auf dem Wohnungsmarkt eine neue Lage. Daß preiswerte Mietwohnungen immer noch überaus knapp sind, weiß jeder. Von dieser Knappheit sind jedoch vorwiegend Rentner, kinderreiche Familien und unterdurchschnittlich einkommensschwache Mehrpersonenhaushalte betroffen.

Wenig beachtet wurde indes von den Statistikern die drängende Nachfrage einer völlig neuen Schicht von Wohnungssuchenden: Sehr junge Leute – Lehrlinge, Schüler, Studenten, aber auch "ausgelernte" junge Verkäufer. Arbeiter, Angestellte –, sie alle mögen nicht mehr so lange wie früher bei ihren Eltern wohnen. Und da eben diese Eltern jung genug sind, ein lebhaftes eigenes Leben zu führen, wären nicht wenige von ihnen durchaus damit einverstanden, wenn ihr Nachwuchs sich wohnungstechnisch – möglichst natürlich in elterlicher Nähe – selbständig machte.

Hier aber hapert es am deutschen Wohnungsmarkt. Die drängende Nachfrage gerade der sehr jungen Einpersonenhaushalte ist neu, so neu, daß sie statistisch bisher kaum verarbeitet wurde und deshalb sogar geeignet ist, im Rahmen der einheitlich unter "Wohnungssuchende" registrierten "Nachfragefälle" das wahre Bedarfsbild zu verschleiern. Der neue Bedarf hat nähmlich mit der alten Wohnungsknappheit nichts mehr zu! tun.

Untermiete ist für diese neue Wohnschicht kein Ersatz – ganz abgesehen davon, daß ohnehin in den letzten zwanzig Jahren die Untermiet-Verhältnisse um mehr als 200 Prozent zurückgegangen sind. Die Misere liegt anderswo: Die neue, potentielle Mieterschicht stößt in eine gähnende Marktleere. Sie wurde von den Wohnungsbauern noch nicht wahrgenommen. izh