Kleider aus Holz – Kampf gegen Bürokraten – Ziel: eine documenta

Von Felicitas Zschocke

In Mexiko plant man wieder einmal eine Revolution, allerdings keine politische: eine Gruppe junger Künstler hat der Bürokratisierung des mexikanischen Kulturlebens den Kampf angesagt. "Der Amtsschimmel gehört in den Stall, wir brauchen frischen Wind, der die Kunst vom Staub des 19. Jahrhunderts befreit. Wir werden beweisen, daß wir es auch ohne staatliche Unterstützung schaffen!"

Dazu ist dem "Salon Independiente" jedes Mittel recht. Denn um wirklich unabhängig zu sein, braucht man Geld. Und so planen die Künstler als Auftakt für den zweiten "Salon Independiente" ein spektakuläres Happening mit einer Modenschau. Das hat es in Mexiko noch nie gegeben: die 33 Mitglieder des Salons – Maler, Bildhauer, Zeichner – haben eigenhändig etwa vierzig Modelle entworfen. Alles ist vertreten: Maxi, Mini, nude-look, topless, Kleider aus Metall, Plastik, Papier, Pelz, Leuchtstoffen, sogar aus Holz – eben so, wie sich die Avantgarde von heute die Mode von morgen vorstellt.

Seit ein paar Wochen ist ein halbes Dutzend Schneiderinnen bemüht, die kühnen Ideen der Künstler zu verwirklichen. Die meisten Modelle sind schon so gut wie verkauft, wenn sie am 15. Oktober bei psychedelischer Musik und psychedelischen Lichteffekten über den Laufsteg gehen. Schauplatz der Show: das Hotel Camino Real. Oder, wenn das Geld nicht reicht, einfach irgendein Platz in Mexiko City.

Geld für die Kassen

Um das Geld für ihre Ausstellung zusammenzubekommen, veranstaltete der "Salon Independiente" eine dreitägige "Venta especial": jedes Mitglied schenkte dem Salon ein Bild oder eine Plastik, und eine Galerie verkaufte die Arbeiten – zur Hälfte des ursprünglichen Preises. Der Reingewinn (in diesem Jahr waren es rund 12 000 Mark) kam dem Salon zugute. Davon mußten Kataloge gedruckt, Stoffe und ausgefallene Accessoires für die Modenschau gekauft, Licht und Musik bezahlt werden. Außerdem hat der "Salon Independiente" sieben ausländische Künstler eingeladen. Aus Spanien kommt Antonio Saura, aus New York der Japaner Arakawa, aus Paris die Ungarin Marta Pan. Die Mexikaner zahlen die Reise und den Aufenthalt der Gäste und den Transport der Bilder.