Auch in München werden Hersteller zu Schaustellern. Die ICI mietete für ihre Crimplene-Schau gleich den ganzen Zirkus Krone, während "Nino" mit Daniel Hechter, Paris, ins elegante Restaurant Humplmayr bat. Zur Glenn-Miller-Musik kamen die Mannequins im Trippel-Hüpf-Schritt in superkurzen Faltenröcken, engen Jacken mit unterlegten Schultern und Knopflochblumen die Treppen herunter. Auch die adretten weißen Sportblusen der vierziger Jahre fehlten nicht. Nur die riesigen Brillen, Glockenhüte, das Make-up und die überlangen Schals waren sehr von heute. Die dunklen Farben wurden kombiniert wie in Italien. Darüber naturweiße Nino-Regenmäntel von Mini bis Maxi.

Noch immer gelten bei uns Maxi-Mäntel als Prognose oder Herausforderung. "Gangsters of Valstar", London, zeigte sie nun schon in der dritten Saison in den Messehallen als Regenmäntel. Daneben dreiviertellange Jacken, die, darauf wurde hingewiesen, in London zu den denkbar kürzesten Minikleidern als Mäntel verkauft werden. Durch überlange Rückenschlitze der Maximäntel werden die nackten Beine in Stiefeln aber bei jedem Schritt sichtbar. Diesen "Gangsters" war es ein leichtes, innerhalb kürzester Zeit an fünf deutsche Pressedamen den gleichen Maximantel zu verkaufen. Fragt sich nur, wann sie sich darin auf die Straße trauen werden. Die englischen Ledermäntel von "Cordoba", deren männliche Stücke auf nacktem Oberkörper vorgeführt wurden, waren für "sie und ihn" patchwork-gestückelt in Senf-Aubergine-Braun-Schwarz, mit farbig bemalten Metallscheiben als Knöpfe. Neu und auch bei uns soeben lanciert ist "Jungle-Suede", ein eigenartig verfärbtes Velourleder, das auch einen Stichelhaartouch haben kann.

Zehn gleichgesinnte junge Firmen, von Hoechst mit Trevira unterstützt, bildeten einen Zehnerklub und richteten sich zum Verkaufen in der weißesten Halle die man je zu sehen bekam, in zehn ebenso weißen Iglus ein. Mit diesem Bau zeigte Hoechst zugleich, was man aus Hostalit-Z alles machen kann. Runde Bühne, statt Laufsteg, umgeben von einer Herde Mammutsesseln aus Klarsichtfolie. Regie der Show: Ernest Martin. Trotz der verschiedenen Handschriften der Kollektionen reihte sie sich nahtlos aneinander. "Hair" sei Dank! Zu seinen Chorälen wiegt und wogt sich’s gut, in massiven Gruppen und kindlichem Ringelreihen. Kein Einwand, solange man die Kleider noch zu sehen bekommt.

Elegante Kleider für Frauen um dreißig und aufwärts sind die Attraktion der Berliner Modellkonfektion und gemeinsames Leitbild aller Modellhäuser. Damen mit gesellschaftlichen Ambitionen oder Verpflichtungen werden hier so komplett angezogen, daß es fast unmöglich scheint, noch eine persönliche Note hinzuzufügen. Die Farben sind dezent, heiter oder kleidsam leuchtend, um "jung zu machen". Die Verarbeitung ist perfekt, die Stoffe wertvoll und die Schnitte sind auf Figurprobleme ausgerichtet. Das alles schraubt die Preise nach oben.

Um der jüngeren Käuferin entgegenzukommen, hat nun auch Staebe-Seger die Gruppe "Aktueller Chic" vorgestellt; Modelle, die den Einzelhändlern nicht höher als bis 200 Mark angeboten

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werden. Uli Richter praktiziert das ähnlich schon längere Zeit mit seiner "Uli-special-Kollektion", die, streng kalkuliert und rationell gefertigt, sehr erfolgreich ist. Mit seiner Couturekollektion konnte er soeben sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Neu die Bühne, neu die modernen Klappstühle. "Glamour-Look" für die ganze Kollektion, mit farbigen spotlights bestrahlt, von heißer Musik begleitet und von zwölf Mannequins vorgeführt. Sie verlieh der Berliner Durchreise Glanz und verbreitete gute Laune.