Es entspricht nicht britischer Art, anderen Ländern in Schulmeistermanier zu empfehlen, wie sie ihre Probleme lösen sollten. Im Falle der Agrarpolitik innerhalb des Gemeinsamen Marktes jedoch könnten sich die Engländer, wenn sie wollten, als lobens- und nachahmenswertes Beispiel hinstellen,

Inoffiziell, in vielen Leserbriefen und Diskussionen, klagen sie immer wieder, wie sie und ihr effizientes Agrarsystem unter einem Beitritt zur EWG und zum gemeinsamen Agrarmarkt zu leiden hätten. Daher waren sie direkt dankbar, als sich Paul Fabra, leitender Wirtschaftsredakteur des renommierten Pariser "Le Monde", zu ihrem Anwalt machte und in einem langen Artikel in der "Times" forderte, Brüssel solle seine doch rettungslos angeschlagene Landmißwirtschaft ganz aufgeben und das britische System einführen. Ein Franzose, Hauptnutznießer der gegenwärtigen europäischen Ordnung, hatte den Briten die Schulmeisterrolle abgenommen.

Tatsächlich stehen einem EWG-Beitritt, von britischer Seite her gesehen, vor allem und in erster Linie die unterschiedlichen Agrarsysteme im Wege. Dadurch haben sich immense Preisunterschiede ergeben, und vor den gewaltigen Ausgleichszahlungen in den Agrarfonds, die in Zukunft vielleicht fällig werden, graut den Engländern schon jetzt.

Wie sehr die Lebenshaltungskosten in Großbritannien mit der Übernahme der Brüsseler Ordnung steigen müßten, zeigt ein Vergleich der Durchschnittspreise in der Bundesrepublik, und in Großbritannien (siehe Kasten).

Mit derartigen "Beweisen" können britische EWG-Gegner natürlich eine große Anhängerschaft mobilisieren. Ob andererseits die Insulanerlösung auf das große Sorgenkind des Gemeinsamen Marktes übertragbar wäre, müßte eine Analyse der britischen Landwirtschaft und der Londoner Agrarpolitik ergeben.

Als liberale Handelsnation konnten es sich die Briten nie gestatten, ihre eigenen Farmer durch hohe Zölle vor billigen Importen der Handelspartner zu schützen. Dies war anfänglich auch gar nicht nötig, da die Landwirtschaft nur eine geringe Rolle in der Inselvolkswirtschaft spielte. Erst in den dreißiger Jahren wurden direkte Kontrollen erforderlich, um die Lebenshaltungskosten stabil zu halten, eine ausreichende Produktion zu gewährleisten und den eigenen Bauern trotz der billigen Massenimporte einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Der Staat kaufte beinahe die gesamte Produktion und verkaufte sie in eigener Regie zu Preisen, welche die Herstellungskosten meist nicht deckten. Die Differenzen wurden aus staatlichen Mitteln beglichen.

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