Von Manfred Steffens

Ein Münchner Freimaurer, Katholik obendrein, der es ganz genau wissen wollte, wie es seine Kirche heute mit der Freimaurerei halte, wandte sich mit seiner Frage schriftlich an das Ordinariat des Erzbistums München und Freising, Generalvikar Dr. Gerhard Gruber zerstreute in seiner Antwort vom 7. März 1969 (Gen. Vic. Nr. 875/12) jeden möglichen Zweifel:

"... 2. Durch Ihre Mitgliedschaft bei einer Freimaurerloge haben Sie sich nach c. 2335 des kirchlichen Gesetzbuches (CJC) den Kirchenbann zugezogen. Von diesem können Sie losgesprochen werden, wenn Sie den Austritt aus der Loge erklären und den seinerzeitigen Beitritt bereuen (c. 2242 § 1). 3. Der Kirchenbann verbietet den Empfang der heiligen Sakramente und das kirchliche Begräbnis (c. 2260 § 1 und § 2 CJC). Das kirchliche Begräbnis kann jedoch gewähre werden, wenn der Gebannte vor seinem Tod ein Zeichen der Reue gegeben hat. Die Entscheidung darüber, ob ein Zeichen der Reue anzuerkennen ist, steht nicht dem Pfarrer, sondern dem Ordinariat zu (c. 1240 § 2 CJC). Mit vorzüglicher Hochachtung ..."

Das ist deutlich. Trotzdem wäre schlecht beraten, wer da meinte, die Katholische Kirche habe auch heute noch nicht mehr zu dem Phänomen Freimaurerei zu sagen als Papst Klemens XII., der in seiner Bulle "In eminenti" vom 28. April 1738 zum erstenmal den oft erneuerten und nie widerrufenen Bann gegen die Freimaurerei schleuderte. Wie sehr die katholische Kirche vom pluralistischen Denken unserer Zeit erfaßt wurde, wie auch sie in vielen Zungen zu reden gelernt hat, dafür zeugt

Michel Dierickx S. J.: "Freimaurerei – Die große Unbekannte"; Bauhütten-Verlag GmbH, Frankfurt 1969; 231 S., 18,60 DM.

In diesem letzten Werk des Jesuitenpaters Dierickx, der bis zu seinem Tod vor einem Jahr Professor für Kirchengeschichte an der technischen Fakultät der Jesuiten in Löwen war, finden sich folgende erstaunliche Sätze:

"Die Grenze zwischen ethischer Lehre und Religion ist nicht immer leicht zu ziehen, und wir haben oft den Eindruck, daß die Freimaurerei gleichsam auf des Messers Schneide steht und bei der geringsten unglücklichen Bewegung in den Synkretismus gerät. Uns erscheint es verständlich, daß nur die Anwesenheit gläubiger Christen in den Reihen der Freimaurer diese vor Verirrungen im religiösen Sinn bewahren kann. Deshalb ist es zu bedauern, daß sich Katholiken dieser Bruderschaft so lange ferngehalten haben."