Obwohl der Gesetzgeber durch die Ausdehnung der gesetzlichen Sozialversicherung auf alle Arbeitnehmer "den freien Raum" der privaten Lebensversicherungen erheblich eingeengt hat und obwohl der Gesetzgeber durch die Ausdehnung der Versicherungspflicht in der Krankenversicherung den Marktanteil der privaten Krankenversicherung schmälert und wohl noch weiter beschneiden wird, ist die deutsche Versicherungswirtschaft nach wie vor eine Wachstumsbranche.

"Die Versicherungswirtschaft wird auf lange Sicht gesehen zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen gehören. In der Bundesrepublik wie auch in anderen hochindustrialisierten Ländern hat sich der Teil des Sozialproduktes, der für Versicherungsbeiträge ausgegeben wird, in den letzten 10 Jahren ständig erhöht, was sich in einem überproportionalen Prämienwachstum niedergeschlagen hat." So eine Feststellung des Essener Bankhauses Burkhardt & Co. zu diesem Thema.

Trotz dieser günstigen Prognose, die, von anderen Banken geteilt wird, ist es schwer, den Anleger zum Erwerb von Versicherungsaktien zu bringen. Das hat technische und psychologische Gründe. Technisch ist der Handel in Versicherungsaktien dadurch erschwert, daß es sich bei. ihnen meist um Namensaktien handelt, bedingt durch den Umstand, daß Versicherungsaktien nicht immer voll eingezahlt sind. Eine Besonderheit, die es nur bei Versicherungsaktien gibt.

Die Einforderung des fehlenden Kapitalbetrages kann durch den Aufsichtsrat bestimmt werden. Es handelt sich hier um eine Art genehmigten Kapitals, wie wir es bei anderen Aktiengesellschaften kennen. Nur daß bei Versicherungsaktien die Aktionäre verpflichtet sind, die fehlende Einzahlung zu leisten, während der Aktionär anderer Gesellschaften sein Bezugsrecht veräußern kann. Wer bei nicht voll eingezahlten Versicherungsaktien keinen Einschuß leisten will, muß seine Papiere verkaufen. Für den Handel nicht voll bezahlter Versicherungsaktien gelten besondere Börsenbestimmungen.

Die zweite Funktion der Namensaktien liegt in der Kontrolle darüber, in wessen Händen das Aktienkapital liegt. Unerwünschte Machtgruppierungen im Bereich der Aktionäre können – wenn die Satzungen es vorsehen – einfach dadurch verhindert werden, daß die Eintragung in das Aktienbuch verweigert wird. Für die Gesellschaft ist nur derjenige Aktionär, der in ihrem Aktienbuch eingetragen ist. Diese Besonderheiten sind dem Börsenhandel in Versicherungsaktien nicht zuträglich.

Psychologische Bremsen beim Erwerb von Versicherungsaktien sind die immer wiederkehrenden Nachrichten über Großschäden. Die Millionenverluste schrecken manchen Aktiensparer ab. Dabei verteilen sich die Riesenschadensummen in der Regel auf viele Versicherungsunternehmen: sie werfen ein einzelnes Unternehmen nicht um.

Die echten Probleme der Versicherungen liegen in den mehr oder weniger chronischen Verlustzweigen. Dazu wurden die Industriefeuerversicherung, die Transport- und Rückversicherung sowie auch die Kraftfahrzeughaftpflicht gerechnet. In der Feuersparte ist man bemüht, endlich zu vernünftigen Prämien zu gelangen. Innerhalb Europas sind Bestrebungen im Gange, die Deckungsmöglichkeiten für Großschäden zu verbessern. In der Kraftfahrzeughaftpflicht haben Prämienerhöhungen und die Einführung des Malussystems für eine bessere Rentabilität gesorgt.