Nehmen wir alles nur in allem: Der politische Stil in unserem Lande hat sich verfeinert. Die bloße Erinnerung an die fünfziger Jahre, wo in Bonn noch alles rustikaler und verbitterter, wenn nicht gar feindselig ausgefochten wurde, sie genügt, um den Wandel bewußt zu machen.

Bei der Amtsübergabe in den großen Bonner Ämtern haben sich manche der Scheidenden schwer getan, zu schwer. Wir wollen über sie den Stab nicht brechen, aber nicht aus lauter Nachsicht zugleich auch jenen gegenüber unseren Respekt und unsere Bewunderung verschweigen, die in der Stunde des Abschieds vom ministeriellen Glanz auf Würde bedacht waren: auf die ihrer Person und die ihres bisherigen Amtes. Hans Katzer war einer von ihnen, Ernst Benda ein anderer. Ein Beispiel setzte auch Gerhard Schröder bei der Übergabe des Oberbefehls über die Bundeswehr an Helmut Schmidt – "Haltung in der Niederlage und Maß im Sieg sind notwendige Tugenden nicht nur im Sport, sondern auch in der Politik". Und über seinen Nachfolger: "Wir kennen uns und begegnen uns mit Respekt und Achtung." Solcher Stil ehrt nicht nur die Beteiligten, er hilft auch mit, den Sinn für Kontinuität in der Führung des Staates zu schärfen – einer Kontinuität, bei der die Person vieles und die Gesinnung alles ist. Be.