Die Besitzer ausländischer Wertpapiere sind seit der Freigabe des Mark-Wechselkurses um 8,5 Prozent ärmer geworden, falls sich der Wert ihrer Effekten nicht gleichzeitig durch einen Anstieg der Börsenkurse erhöhte. Im Jahre 1961 verloren die deutschen Inhaber ausländischer Effekten bereits 5 Prozent. Wer also ausländische Aktien oder Investment-Papiere vor mehr als 8 Jahren erwarb, büßte allein durch Mark-Aufwertungen knapp 14 Prozent ein, handelte es sich um englische oder französische Aktien, kommen die Verluste aus den Pfund- und Francabwertungen noch hinzu. Das vorweg, um zu zeigen, daß Aufwertungen für den Sparer auch Schattenseiten hatten.

Sie wissen, meine verehrten Leser, daß des nicht der Platz ist, über Sinn oder Unsinn von Auf- und Abwertungen zu diskutieren. Mit Absicht habe ich davon Abstand genommen, dem der schlichte Anleger wird ohnehin nicht konsultiert, wenn es um Wechselkursänderungen geht. Seine Aufgabe kann es nur sein, sich rechtzeitig auf währungspolitische Entscheidungen vorzubereiten. Das habe ich versucht. Seit August 1968 (Gespräche am Bankschalter "Angenommen die Aufwertung kommt...") hat eine mögliche Wechselkursänderung an dieser Stelle immer Berücksichtigung in den Anlageratschlägen gefunden.

Daraus resultierte die Zurückhaltung gegenüber ausländischen Aktien, wenn sie nicht überdurchschnittliche Gewinnchancen zu bieten hatten. Dazu zähle auch das Zurückstellen von Abschlüssen mit ausländischen Investmentfonds, wenn diese nicht bereit waren, eine weltweite Anlagepolitik zu betreiben. Ein wirklich international investierender Fonds konnte, falls es ihm gelang, die Schwerpunkte richtig zu setzen, das Aufwertungsrisiko und den tatsächlich eingetretenen Aufwertungsverlust überspielen. Daß es nicht allen gelang, lag meist daran, daß sie sich nicht im wünschenswerten Umfang von der amerikanischen Börse unabhängig gemacht haben. Die größten Gewinnmöglichkeiten bestanden in diesem Jahr in Mailand, Paris, Tokio und in der Bundesrepublik.

Für die Anleger stellt sich jetzt die Frage, ob die Bahn für Auslandsanlagen wieder frei ist. Für absehbare Zeit gibt es kein Währungsrisiko mehr. Es sei denn, irgendein. Land würde demnächst abwerten. Doch das ist in jenen Ländern, wo es sich zur Zeit zu investieren lohnt, mit Sicherheit nicht der Fall. Unter Umständen überrascht uns die eine oder andere Regierung demnächst sogar mit einer Aufwertung. Börsianer halten das bei Holland für möglich.

Am Montag nach der Mark-Aufwertung waren große Käufe in holländischen Standardwerten, besonders in Royal-Dutch-Aktien, die in Expertenkreisen ohnehin als unterbewertet gelten, zu beobachten. Holländische Standardwerte sind nach den Erfahrungen Anhängsel der Wallstreet-Tendenz. Wird es dort fester, worüber wir noch sprechen wollen, müßten Unilever, Royal Dutch und Philips mit nach oben ziehen.

Interessant kann die Pariser Börse bleiben. Frankreich ist einer der Hauptnutznießer der Markaufwertung. Die französische Exportindustrie hat gegenüber der deutschen einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung erlangt. Wie lange er erhalten bleibt und ob ihn die Franzosen zu nutzen verstehen, hängt nicht zuletzt davon ab, inwieweit es gelingt, den sozialen Frieden und die politische Ruhe wiederherzustellen. Schon heute können Aktien stark exportorientierter Unternehmen als anlagewürdig gelten.

Das große Fragezeichen für alle Börsianer ist die amerikanische Börse. In der vergangenen Woche hat es dort eine überraschend kräftige Kurserholung gegeben. War das schon die Wende oder nur eine Zwischenphase der Baisse? Auch bei den amerikanischen Brokern gehen darüber die Meinungen auseinander. Tatsächlich scheint sich alles auf das Problem zuzuspitzen, ob die harten Restriktionsmaßnahmen so lange durchgehalten werden, bis die wirtschaftliche Stabilität dauerhaft als gesichert gelten kann. Von diesem Zustand sind die USA gegenwärtig noch weit entfernt.