Seine erste Frau war von sehr geselliger Natur. Aus einer kultivierten Familie stammend, legte sie immer viel Wert auf entsprechenden gesellschaftlichen Umgang. Er hingegen fühlte sich auf größeren Gesellschaften nie wohl, auch später nicht, als er berühmt war; sie gaben ihm nichts, und sie machten ihn wohl auch ein wenig unsicher. Nur ungern nahm er Einladungen an und auch nur, wenn er wußte, wer außer ihm geladen war und er also sicher sein konnte, nicht mit Fremden konfrontiert zu werden. Meistens sagte er ab, wie zum Beispiel in diesem Brief:

"Sehr verehrte gnädige Frau, abgeneigter denn je, mich zu irgendeiner menschlichen Gemeinschaft zu bekennen, beginne ich den Winter. Dank für Ihre Invitationen, aber unmöglich. Gesellige Veranstaltungen, gemeinsamer Meinungsaustausch, Geben und Nehmen sind mir fremd. Ihre Freunde in Ehren, aber es sind nicht die meinen, ihre Worte kein Gewinn und seelische Erneuerung für mich. Es zittert immer noch in mir nach, daß Sie neulich, ohne es zu sagen, fremde Leute zu Abend einladen wollten, welche Gewalttat von Ihnen..."

Zu jener Zeit lebte er allein; Seine um acht Jahre ältere Frau war gestorben, als er Mitte Dreißig war. Sieben Jahre später nahm eine andere Frau sich seinetwegen das Leben:

"Meine Freundin, von der ich Ihnen so oft erzählte, und die ich ja im Grunde unverändert liebte, tief liebte, wie in den Jahren des Altwerdens und der schwindenden Gefühlsfähigkeit der Mann liebt, ist – freiwillig aus dem Leben geschieden. Auf grauenvolle Art. Sie stürzte sich hier von ihrer Wohnung im 5. Stock auf die Straße und kam tot dort an. Sie rief mich an, daß Sie es tun würde. Ich jagte im Auto hin, aber sie lag schon zerschmettert unten, und die Feuerwehr hob den gebrochenen Körper auf... Natürlich starb sie an oder durch mich, wie man sagt. Sie war mir nicht gewachsen als Ganzes oder vielmehr: sie wollte mir in Dingen und an Stellen gewachsen sein oder über sein, wo sie es nicht konnte und als Frau nicht zu sein brauchte. Aber das verstand sie nicht..."

Er lebte sehr still, sehr zurückgezogen. Er reiste wenig – nicht nur, weil er nie viel verdiente, sondern weil er Reisen und neue, äußere Eindrücke, scheinbaren Realitätsgewinn nicht nötig hatte. Zum Leben und Arbeiten genügten ihm kleine, anspruchslose Räume, oft nur Hinterzimmer. Der Fünfzigjährige:

"Eine Wohnung hatte ich mir genommen, die nach hinten lag, zum Hof sah, alle Zimmer-Absicht! Einmal vertrage ich kein Licht, keine Beleuchtung durch die starken natürlichen Strahlen, dann aber auch, um verborgen zu bleiben..."

Er hat ein zweites Mal geheiratet, sogar noch ein drittes Mal – an seinem Lebensstil hat sich nichts geändert: