Man sollte überhaupt nicht geistreich sein wollen; es genügt, Geist zu haben.

Carl Spitteler

Heißsporne

In der letzten Nummer der ZEIT berichtete Cornelia Jacobsen über eine Fehde zwischen dem Ersten Vorsitzenden des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbandes München, Dr. von Brentano, und dem Vorsitzenden des Assistentenkonvents in der medizinischen Fakultät der Universität München, Dr. Rainer Runte. In den "Münchner Ärztlichen Anzeigen" (MÄA), dem standespolitischen Organ des Kreisverbandes, hat Dr. von Brentano jetzt noch einmal eine Erklärung zum Thema abgegeben. Es heißt da: "Wenn die jungen Heißsporne vom Konvent einmal selbst in der standespolitischen Verantwortung stehen sollten, dann werden sie erkennen müssen, daß es viel leichter ist, zu kritisieren, und sensationelle Presseberichte zu bewirken, als wirklich Entscheidendes für die Ärzteschaft zu leisten. Ich habe es nicht nötig, mich von jungen Kollegen, die erst einmal beweisen müssen, was sie für die Gesamtärzteschaft leisten können, in aller Öffentlichkeit verleumden zu lassen. Ich habe mir deshalb erlaubt, in der Nr. 41 der MÄA einige nachweisbare Erfolge meiner Bemühungen für die Ärzteschaft in Erinnerung zu bringen, und lehne es ab, mich in dieser Form auseinanderzusetzen, wie es die derzeitige Führung des Konvents versucht. Nicht die Sensationspresse, sondern das zuständige Berufsgericht soll nun entscheiden, wie weit die jungen Kollegen das Maß des Erlaubten überschritten haben." Ein Kommentar erübrigt sich, nur ein Faktum sei noch nachgetragen: Dr. Rainer, Runte, der Vorsitzende des Assistentenkonvents, ist 40 Jahre alt.

Hakenkreuze nach Frankreich

Das Pariser Goethe-Institut muß von Interessierten, die seine Programme zur Kenntnis nehmen möchten, 12 Franken Zusendegebühr verlangen. Arme deutsche Kulturpolitik in Frankreich! Aber wenn die Franzosen schon Geld für deutsche "Kultur" ausgeben sollen, dann gehen sie lieber gleich zur "Foire à la feraille" in die Halles, wo unter Schrott und Metallwaren Hakenkreuze, SS-Abzeichen und deutsche Orden feilgeboten werden. Das ist ein blühendes Geschäft. Die große Nachfrage der Franzosen wird – so jedenfalls behauptete die Tageszeitung "Le Monde" – durch ein reichhaltiges Angebot aus der Bundesrepublik befriedigt. Sollte solcher "Kultur-Export" nicht schleunigst gestoppt werden?

Die Freude und die Kraft