Gebührlich

Das Oberlandesgericht Hamm hob eine Ordnungsstrafe von fünfzig Mark auf, die sich ein Angeklagter, der im Arbeitszeug vor Gericht erschienen war, eingehandelt hatte. Das OLG legte in einer "Kleiderordnung" fest, daß heute keine übersteigerten Ansprüche mehr an das äußere Erscheinungsbild von Prozeßbeteiligten und Zuhörern gestellt werden sollten. "Legt man liberale, einer modernen und freiheitlichen Demokratie angemessene Maßstäbe an, kann das Erscheinen in Arbeits- beziehungsweise Berufskleidung nicht schlechthin und ohne weiteres als ungebührlich erachtet werden." So sollen zukünftig an heißen Sommertagen auch kurzärmelige Hemden ohne Krawatte gestattet sein. Nur Shorts werden auch weiterhin vor Gericht nicht geduldet – mit einer Ausnahme: In Bayern entspricht die kurze Lederhose der "gebührlichen" Kleiderordnung.