DIE ZEIT

Kugelsicherer Bildschirm

Wie Väter ihre Babys durch die Glasscheibe, so sollen die Amerikaner ihre Politiker nur noch auf der Mattscheibe betrachten dürfen.

Die Bonner Bataille

Der große politische Journalist Paul Sethe, unvergeßlich in seiner Leidenschaft wie in seiner Weisheit, hat über die englischen Parlamentsdebatten des vorigen Jahrhunderts einmal geschrieben: "Noch heute, nach hundertzwanzig Jahren, werfe ich dafür jeden Band Hemingway unter die Straßenbahn.

Der Dialog beginnt

Am Dienstag voriger Woche gab der neue – Kanzler in Bonn die Regierungserklärung ab, am Donnerstag begannen die Außenminister der sieben Warschauer-Pakt-Staaten in Prag, ihre Haltung zu dieser Politik zu definieren, und schon am Freitag erklärte der Sprecher der sowjetischen Regierung, Botschafter Samjatin, in Moskau, daß einzelne Punkte der Erklärung Willy Brandts zweifellos Aufmerksamkeit verdienten.

Rückzug ins zweite Treffen

Die Nixon-Administration hat neun Monate gebraucht, um ihr außenpolitisches Grundkonzept zu entwickeln, aber jetzt ist es, rund und unmißverständlich, aller Welt sichtbar.

Aufgabe in Bonn

Sechs Monate lang werden unsere Leser die Feder Theo Sommers, werden wir seine Sachkunde, seine Arbeitskraft und seine Anregungen missen müssen.

ZEITSPIEGEL

"Genausowenig wie heute in katholischen Kirchenzeitungen weder der Kardinal noch der Weihbischof noch der Generalvikar mehr Einfluß auf Redakteure hat, was diese mir ausdrücklich bestätigt haben, habe ich diesen Einfluß beim ‚Bayernkurier‘, weil sich auch dort zur Zeit etwas zuviel an Demokratisierung der Gesellschaft und Abbau der Autorität vollzieht.

Warum blieb Svoboda?

Die Iljuschin-Maschine – eben erst aufgestiegen – sandte einen Funkspruch nach Moskau. Staatspräsident Svoboda und die KPČ-Führung versicherten nach achttägigem Besuch noch einmal: "Die brüderlichen und festen Bande mit der Sowjetunion sind eine Garantie unserer Souveränität.

Bonns Karten sind ausgereizt

Willy Brandts und Rainer Barzels noble Worte über die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Opposition in nationalen Fragen werden schon in der nächsten Woche darauf geprüft werden, welchen Belastungen sie standzuhalten vermögen.

Unsicherheit in Ost-Berlin

Die SED ist unsicher. Ihre Zeitungen äußern sich meist zurückhaltend zum Programm der neuen Bundesregierung; in der Regel werden nur Zitate aus anderen Zeitungen wiedergegeben.

Abwarten im Osten

Warum sollten wir alle Karten auf den Tisch legen, wenn Bonn Gründe hat, es noch nicht zu tun?" Mit dieser Gegenfrage antwortete dieser Tage ein prominenter osteuropäischer Diplomat auf die Erkundigung, warum die Außenminister des Warschauer Paktes am runden Tisch von Schloß Lany bei Prag nur ein karges, allem allzu Konkreten ausweichendes Kommuniqué hervorbrachten.

Die Premiere des Parlaments

Am Anfang gab es Tumult. Freilich, so viele Brandt nachfühlen konnten, welchen Zorn er sich da von der Seele redete, so viele fragten sich, ob er sich das richtige Objekt – den "Bayern-Kurier" – nicht zum falschen Zeitpunkt gewählt habe.

Krieg der Geister-Armeen

Die Amerikaner sind drauf und dran, im hinterindischen Königreich Laos in einen zweiten begrenzten Krieg hineinzuschlittern, unter fast den gleichen Umständen wie einst in Vietnam.

Raus aus Vietnam – aber wie?

Zum erstenmal hat der US-Präsident jetzt sein Volk ins Vertrauen gezogen. Er hat offen eingeräumt, daß die seit fast einem Jahr laufenden Verhandlungen in Paris ergebnislos geblieben sind: "Es konnte keinerlei Fortschritt erzielt werden, außer daß man sich über die Form des Verhandlungstisches einigte.

Saigon in Beirut?

Auch der Libanon kämpft, wenn auch vorläufig noch auf politischem Feld, um Sieg oder Niederlage. Unterliegt er hier, so bedeutet das entweder Bürgerkrieg (wie schon einmal 1958) oder Kleinkrieg mit den Israelis.

Kluft im Kongreß

Nur zwei Monate dauerte der Burgfrieden in der indischen Regierungspartei. Der kurze Waffenstillstand, der nach der Wahl des Staatspräsidenten Vankata Giri vereinbart worden war, brach am vergangenen Wochenende in der Führung der Kongreßpartei wieder offen aus: Zwischen dem progressiven Parlamentarierflügel um Ministerpräsident Frau Indira Gandhi und dem orthodoxen Flügel um Parteichef Siddhavanalli Nijalingappa scheint keine Einigung mehr möglich.

Militärseelsorge – wozu?

Unter dem Titel "Thron und Altar 1969" veröffentlichte die ZEIT vor drei Wochen Auszüge aus einem Dokument zum Streit um die Kriegsdienstverweigerung, das gemeinsam von Vertretern des Bundesverteidigungsministeriums und der beiden Militärbischöfe ausgearbeitet worden war.

Wunderwaffe der Linken

Vor einigen Wochen hatte die Pariser Wochenzeitung "L’Express" drei Parteiführer der Linken, die alle das Wort "sozialistisch" im Wappen führen und alle drei zu einem Schattendasein verurteilt sind, gefragt, ob sie nicht der viel erfolgreicheren deutschen Sozialdemokratie nacheifern wollten.

Lindbergh auf italienisch

"So sehr ich das auch hasse, Leute, ich muß euch doch sagen, daß wir nicht nach San Franziska fliegen. Wir müssen erst einmal nach New York.

Verblaßter Dayan?

Die Israelis haben sich schon immer schwer getan, eine Regierung zu bilden. Das hat seinen Grund in den vielen Parteien und in den vielen eigenwilligen Politikern.

Krasser Rassenhaß

Zum festen Bestandteil der Vorbehalte weißer Amerikaner gegen ihre farbigen Landsleute gehört die Behauptung, die Neger seien arbeitsscheu und lebten lieber auf Kosten der öffentlichen Wohlfahrt als vom Verdienst einer redlichen Tätigkeit.

Kennedy: Sinkender Stern

Der Stern Edward Kennedys sinkt weiter. Eine Meinungsumfrage des Nachrichtenmagazins "Time" ergab, daß mehr als die Hälfte der Amerikaner den Aussagen des Senators über den Autounfall vom 18.

El Fatah setzt sich durch

Nach den zweiwöchigen blutigen Auseinandersetzungen im Libanon, die etwa 60 Tote und zahlreiche Verwundete forderten, ist zwischen der palästinensischen Befreiungsfront (El Fatah) und der libanesischen Armee ein Abkommen zur Beilegung des Zwists getroffen worden.

Appell an die Amerikaner

Von rückhaltloser Zustimmung bis zu großer Enttäuschung reichten die Reaktionen auf die Vietnam-Erklärung, die Präsident Nixon in der Nacht zum Dienstag (MEZ) abgab.

Osten präzisiert Vorschlag

Mit Interesse und Skepsis ist in Bonn die Erklärung aufgenommen worden, die die Außenminister der sieben Warschauer-Pakt-Staaten nach ihrer zweitägigen Konferenz im Präsidentenschloß Lany bei Prag zur Frage einer europäischen Sicherheitskonferenz abgegeben haben.

Dokumente der ZEIT

Aus der Erklärung zum Abschluß der sowjetisch-tschechoslowakischen Verhandlungen in Moskau:

Neuer Elan im Parlament

Die zweitägige Debatte über die Regierungserklärung Bundeskanzler Brandts hat ein unterschiedliches Echo gefunden. Während einerseits bemängelt wurde, daß bei der Diskussion die Bildungs- und Rechtspolitik zu kurz gekommen seien, wurde auf der anderen Seite lobend hervorgehoben, daß nach Jahren der relativen Ruhe endlich wieder Bewegung in den Bundestag gekommen sei.

England: Wahlen später

Im Gegensatz zu kürzlich geäußerten Vermutungen ist in England vorläufig nicht mit Neuwahlen zum Parlament zu rechnen. Diese Erwartung ergibt sich aus den Ergebnissen, die Premierminister Wilsons Labour Party bei Nachwahlen in fünf Stimmbezirken erzielte.

Italien: Unruhe wächst

Die innenpolitische Situation Italiens verschärft sich zusehends. Die seit acht Wochen andauernde Kette von Streiks und Demonstration hat Unruhe bei der Bevölkerung und Unsicherheit bei der Regierung ausgelöst.

Sicherheit für die Bundesrepublik

Nichts deutet darauf hin, daß sich das europäische Sicherheitsproblem in seinen fundamentalen Aspekten während der siebziger Jahre wesentlich anders darstellen wird als in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten.

Wer hatte Angst vor der Öffentlichkeit? Das neue Bonner Regierungsviertel, ein 200-Millionen-Projekt, wurde im geheimen geplant und, wie sich jetzt herausstellte, verplant: Aus der Schublade auf die grüne Wiese

Dat kann ich Ihnen nich sagen, wat hier jebaut wird. Ich weiß nur, daß hier zwei Hochhäuser hinkommen..." Der Fahrer eines schweren Baufahrzeuges, der sich auskunftswillig aus seinem Führerhäuschen beugt, weiß also ziemlich wenig, stellt man in Rechnung, daß er seit fast drei Monaten mithilft, die Baugruben für das neue Bonner Regierungsviertel auszuheben.

Förster-Leber

Am 18. Juni 1969 starb in der Bonner Universitätsklinik der 31 jährige Förster Rüdiger Räther. Fünfzehn Stunden nach seinem Tod wurde der Leiche die Leber entnommen und dem todkranken Studenten Volkmar Gaudigs übertragen.

Ich und die Fürstenecker

So leicht ist es. Für die Bewohner von Fürsteneck ist die Welt wieder heil. Sie können getrost die Betten für die Fremden richten und brauchen nicht zu fürchten, daß "depperte" Kinder sie dabei stören.

Späte Korrektur

Wenn wir noch die Todesstrafe hätten, lebte Hans Hetzel wohl nicht mehr. Dann wäre er vor zehn Jahren wegen Mordes nicht zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt worden, sondern zum Tode.

Ein Sündenbock wurde gefunden: Polizist Fischer war zu eifrig

Als fünf Polizisten den Volks- und Realschullehrer Rudolf Kronberger durch die Fußgängerbarriere vor dem Polizeipräsidium zu zerren versuchten, um ihn "in behördlichen Gewahrsam zu verbringen", zog der zweiundzwanzigjährige Polizeihauptwachtmeister Peter Fischer seinen Gummistab.

Christen und Sozialisten

Gespräche zwischen Christen und Marxisten sind keine Seltenheit mehr. Allerdings sind sie bisher mehr oder weniger akademisch geblieben.

Abkehr von Marx

Merleau-Ponty, politisch-geistiger Gefährte Sartres, ist schlecht bekannt im deutschen Sprachraum. Sein philosophisches Werk ist kaum übersetzt, nur wenige kennen den Einfluß seines politischen Denkens auf die französische Intelligenzija nach dem Krieg.

Vietnam – und kein Ende

Eine politische Lösung, keine militärische – das ist, nicht erst seit der Fernsehrede des Präsidenten Nixon am Montagabend, das Stichwort der neuen amerikanischen Vietnam-Strategie.

Ein Spion erfand seine Legende

Nach acht Jahren kam das Verhängnis – und es brauchte sieben Tage und acht Nächte. Am 10. Oktober 1941 griff die japanische Polizei zu.

Ohne Not in einem Boot

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, und wenn sie dich schlagen, so sollst du dich wehren!" So spricht Kindermund, und das Programmheft tut es auf seinem Titelblatt kund.

Die zweite Revolution der Kunst

Wer sich in den letzten Jahren bei uns über zeitgenössische russische Kunst orientieren wollte und sich an die Ausstellungen hielt, die hierzulande oder in benachbarten europäischen Ländern zu sehen waren, der wurde ganz schön in die Irre geführt: mäßige, offizielle Importwaren.

Arien des Weißen Riesen

Ein Stück zum Wegwerfen. Seit es die praktische "Einwegflasche" gibt, bei der man der Brauerei nicht mehr mittels Flaschenpfand einen kurzfristigen Kredit einräumen muß, seit die Milchflasche dem handlichen Karton gewichen ist, mit dem man so trefflich Tischtuch oder Teppich bekleckern kann, finde ich es ganz schön verwunderlich, daß die Dramen und Stücke inmer noch auf die Flaschen der Ewigkeit gezogen werden.

Aspekte einer Debatte

Die Schatten waren lang und schwarz, das Gestern wurde groß, klein das Heute geschrieben, man sprach viel von Kontinuität und wenig von neuem reformerischem Elan.

Der schreckliche Pragmatiker

MINISTER LEUSSINK: Willy Brandt. Ich habe einfach den Eindruck bei ihm, daß er – wie soll ich mich ausdrücken – dieses Volk in seinem vorwärtsschauenden Teil doch sehr richtig und sehr eindrucksvoll und sehr überzeugend verkörpert und ein Bild von der Welt hat, mit dem ich voll übereinstimme.

Bonner Luft

Es gibt ein "Rezept für Kultur". Man nehme hundert hochgebildete Leute, setze sie in eine angenehme Umgebung, gebe ihnen 1. Geld, 2.

Aus den Hauptstädten der Welt: Rom - Musik für Arbeiter

Eine Bevölkerung, die sich endlich befreit aus der Sklaverei und Trägheit des Elends und der Unterentwicklung, besitzt eine immense potentielle Reserve von Talent und Fleiß" – so heißt es im Programmheft der "Associazione musicale operaia frusinate" ("Arbeiter-Musikvereinigung Frosinone").

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