Bonn, im November

Nichts gegen Günter Diehl, Karl-Günther von Hase, Felix von Eckart und alle, die der Bundesregierung als Sprecher gedient haben – aber gegen ihre Bezeichnung als „Bundespressechef“ haben sie samt und sonders nichts unternommen. Das ominöse Wort stand und steht auf den Briefbogen des Presseamts und in einigen Gesetzestexten, leider auch in vielen Zeitungen, die es gedankenlos übernehmen.

Der korrekte offizielle Titel ist lang und unhandlich: „Leiter (oder Chef) des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung“. Da war eine Abkürzung dringend geboten. Doch daß die Bürokraten auf das Wort vom Bundespressechef verfielen, die Parlamentarier es tolerierten, daß es überhaupt Eingang ins politische Vokabular fand, war schlecht. Immer wieder wurden Journalisten von Nachbarn, Freunden und Bekannten gefragt, was ihr Chef denn für ein Mann sei. Welcher Chef? Nun, der im Presseamt. Sie hatten Mühe, den Fragestellern klarzumachen, daß es einen Bundeschef der Presse nicht gibt, daß er den Journalisten nichts diktieren kann, sondern sie mit Informationen versorgen soll – kurz, daß die Presse dem Leiter des Informationsamtes nicht unterstellt ist, sondern ihm gegenübersteht.

Conrad Ahlers nun, der Sprecher der neuen Bundesregierung, der ohnehin weiter mit seinem Namen und nicht mit „Herr Staatssekretär“ angeredet sein möchte, will von dem irreführenden Chef-Titel nichts wissen und ihn auch in den Gesetzen tilgen lassen. Eine Korrektur am Rande, gewiß. Aber ein dankenswerter Beitrag zum besseren Verständnis der demokratischen Gewaltenteilung. chk