Präsident Nixon will ein Wahlversprechen verwirklichen. Im Kampf um Präsidentenehren versprach er, die amerikanische Handelsmarine zu neuem Ruhm zu führen. Vor einigen Wochen legte er dem Kongreß eine „Schiffahrts-Botschaft“ vor, die wohl Reeder und Schiffbauer, nicht aber die Steuerzahler erfreute, –

Mit der Handelsflotte der reichsten Industrienation dieser Welt ist kein Staat zu machen. Unter amerikanischer Flagge sind zwar fast 1000 Schiffe registriert – damit stehen die Vereinigten Staaten an sechster Stelle in der Rangliste der Schiffahrts-Nationen, aber drei Viertel dieser Schiffe sind reif fürs Abwracken. Es sind Veteranen von „Liberty“- und „Victory“-Einheitstypen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Damals bauten die Amerikaner Schiffe am laufenden Band, um ihre Alliierten und ihre Truppen zu versorgen. Heute sind diese Schiffe freilich nicht mehr wirtschaftlich einzusetzen. Ein Großteil davon liegt eingemottet an den Pfählen, ohne Aussicht jemals wieder in Fahrt zu kommen.

Aber auch die amerikanischen Neubauten, die unter dem Sternenbanner auf den Weltmeeren kreuzen, bringen ihren Reedern keine Freude. Schiffe auf amerikanischen Werften bauen zu lassen, ist etwa doppelt so teuer wie in Japan oder Europa. Obendrein kassieren die amerikanischen Seeleute die höchsten Löhne, die auf den sieben Weltmeeren gezahlt werden.

Die amerikanische Regierung hat diese Nachteile im internationalen Wettbewerb durch Subventionen auszugleichen versucht. Washington finanzierte bisher zwischen 50 und 55 Prozent der Schiffbaukosten. Dafür mußten die Reeder in Kauf nehmen, daß ihre Schiffe eher militärisch-logistischen als wirtschaftlichen Anforderungen entsprachen.

Für bestimmte Liniendienste wurden Subventionen gewährt. Die „United States Line“ erhält jährlich 48 Millionen Mark dafür, daß sie mit der „United States“ regelmäßig über den Atlantik fährt. Dennoch bringt das Prachtschiff der Reederei jedes Jahr 20 Millionen Mark Verlust. Jetzt hofft die Reederei, daß ihr neuer Antrag auf weitere Subventionen ergebnislos bleibt: Sie könnte dann ohne Skrupel die Passagierschiffahrt einstellen.

Die Militärs haben den Gefallen an dem allzeit bereiten Truppentransporter verloren, seitdem Flugzeuge schneller, billiger und sicherer den Transport übernehmen.