Von Heinz Josef Herbort

Neben das Portal unserer Opernhäuser gehöre ein großes schönes Messingschild mit der Aufschrift „Museum“; denn was hinter den Türen gezeigt werde, sei eine Ausstellung historischer Kulturdenkmäler. Und weiter: von einer solchen Ausstellung sei nur eines zu verlangen – daß nämlich in ihr die optimalen Präsentationsbedingungen erfüllt werden.

Rolf Liebermann, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, hat sich lange weigern müssen, dieser phantastischen Forderung Adornos zuzustimmen. Weder fühlte er sich bislang als Museumsdirektor, noch besaß er die Mittel, die ein solches Optimum braucht.

Nun hat er sich ein Herz gefaßt und seine Ensemble-Idee für einige Zeit einem stagione-Betrieb geopfert. Er kaufte die derzeitige primadonna assoluta ein, eine Australierin, die gleich ein ganzes Team mitbrachte, einen ebenfalls australischen, ihr angetrauten Dirigenten, einen argentinischen Regisseur und dessen Frau als Choreographin, einen chinesischen Bühnen- und einen argentinischen Kostümbildner; er holte sich weiter eine österreichische Sopranistin und einen kanadischen Mezzo hinzu; einen ungarischen Sopran, einen finnischen und einen amerikanischen Bariton besaß er bereits – drei Deutsche, eine Altistin, ein Bariton und ein Chordirektor scheinen da fast zu stören.

Nicht daß gleich zu jubeln wäre, nun sei das Rezept ein für allemal gefunden, aber: die Ausstellung von Händels „Julius Cäsar“ im Opernmuseum an Hamburgs Dammtorstraße, wo vor 244 Jahren das Kunstwerk erstmalig in Deutschland gezeigt wurde, ist einen Besuch wert.

Optimale Präsentationsbedingungen: auf Händeis „Cäsar“ angewandt, bedeutet das die Darstellung einer späten, zu einem musikalisch-dramatischen Organismus hinstrebenden neapolitanischen Opera seria. Es bedeutet den Wunsch des Publikums, „vernünftig“ unterhalten und „bewegt“ zu werden, und das nicht durch haarsträubend unwahrscheinliche Überraschungen, auch nicht durch erschütternde Schicksale, sondern durch in ausgedehnte lyrische Höhepunkte mündende kurze dramatische Geschehnisse.

Optimale Präsentation verlangt hier zunächst einmal und weit vor allem anderen Stimmen, „geläufige Gurgeln“, die die Beweglichkeit für außerordentlich komplizierte Koloraturen und virtuose Verzierungskünste, aber auch die Schönheit für lange, getragene Cantilenen besitzen. Gefordert ist weiter die Fähigkeit, „Affekte“ auszudrücken, sowohl die verschiedenen Charaktere der Arien zu treffen wie jene beinahe klischeeartig verwendeten melodischen und rhythmischen Details zu beherrschen, chromatische Ton-Verschiebungen etwa oder Synkopen, Triller und „Vorhalte“, Schwelltöne und kleine Verzögerungen, die, den Sprachgesetzen der Rhetorik angelehnt, dem zeitgenössischen Publikum vertraut waren und deren Bewältigung mitten in die Szene hinein frei und laut bejubelt werden durfte.