In den Börsensälen geht es wieder munter zu. Nicht in den großen Standardwerten des deutschen Aktienmarktes; sie garantieren zwar sicheres Wachstum, aber keine, raschen Kursgewinne. Da aber das an die Börse drängende Publikum auf schnelle Gewinne drängt, wird es in die Papiere mit engem Markt hineinbugsiert. Dort trifft es sich mit den cleveren Vermögensverweltern, die schon aus Wettbewerbsgründen eine möglichst hohe Wertsteigerung in den von ihnen verwalteten Portefeuilles vorzuzeigen wünschen.

So kommt es, daß viele Aktien kleinerer Gesellschaften ein höheres Kurs/Gewinn-Verhältnis ausweisen als beispielsweise die BASF, Bayer oder Hoechst, die an der Hanseatischen Wertpapierbörse zusammengefaßt als „Schiet-Farben“ ausgerufen werden, ein Ausdruck, den man besser nicht ins Hochdeutsche übersetzt. Aktien, die jahrelang ohne nennenswerte Umsätze geblieben sind, werden von der Spekulation über: Nacht entdeckt und als zukunftsträchtig bezeichnet.

So lange immer mehr! Kapital zur Aktienanlage frei wird, geht dieses Spiel noch munter weiter. Durch die jüngste Mindestreservesenkung des Zentralbankrates hat es sogar noch neuen Auftrieb erhalten. Wir wissen jetzt, daß es auf den deutschen Kapital- und Geldmärkten zu keiner bedrohlichen Knappheit kommen wird, weil die Bundesbank ins Ausland zurückfließendes heißes Geld durch die Freigabe von Bankmitteln ersetzt. Auf die Dauer, darin sind sich alle Börsianer einig, wird man jedoch an den Blue Chips des deutschen Marktes nicht vorübergehen können. K. W.