Die Gründerzeit auf diesem Markt“, so philosophierte Karl Düsterberg vor gut einem Jahr, „ist vorbei.“ Kaum ein Vierteljahr später hatte Düsterberg die Mehrheit seiner „Apetito-Fertigmenü“-Firma für tiefgefrorene Spezialitäten an das kanadische Unternehmen „Versafood“ verkauft. Kurz darauf, im Sommer des Jahres, startete Oetker aus Bielefeld seineGroßoffensive auf dem tiefgefrorenen Markt, und jetzt im Herbst entschlossen sich die Erzrivalen der „eisigen“ Branche, Unilever und Nestlé, in Zukunft gemeinsame Sache zu machen.

Die beiden europäischen Nahrungsmittelgiganten legen ihre Firmen für Tiefkühlkost und Eiskrem in Deutschland, Österreich und Italien zusammen. In Deutschland sind Langnese-Iglo (Unilever) und Findus-Jopa (Nestlé) bereits die führenden Unternehmen auf dem Kältemarkt. Zusammen sind sie ein „ausländischer Goliath“, so umschreibt es die Konkurrenz Oetker, auf dem nationalen Frost-Markt.

Die Gründerzeit für das eisige Geschäft scheint – entgegen Düsterbergs Meinung – noch längst nicht vorüber. Denn nicht nur die Großen der Nahrungsmittelindustrie wollen dabeisein, wenn deutsche Hausfrauen und Köche die Vorzüge der tiefgekühlten Kost entdecken. Die Großorganisationen des Einzelhandels wie Rewe, Gedelfi, Edeka und die Konsumgenossen wollen sich genauso wie die Versender Neckermann und Quelle in deutschen Tiefkühltruhen ein Plätzchen reservieren.

Das Gedränge um die besten Startpositionen – um mehr geht es heute noch nicht – hat seine guten Gründe. Die Nahrungsmittelindustrie ist mit knapp 53 Milliarden Mark Umsatz Deutschlands größte Industrie – vor der Chemie mit knapp 45 und dem Maschinenbau mit 44,5 Milliarden Umsatz. Und während die Wachstumsaussichten der gesamten Nahrungsmittelindustrie recht flau sind, gilt der spezielle Markt für Tiefkühlkost als Wachstumsrevier par excellence. Für den Münsteraner Professor Adam ist die Branche gar der Wachstumsspitzenreiter überhaupt.

Internationale Vergleichszahlen nähren den Optimismus der Industrie-Froster. Während jeder Amerikaner 24 und jeder Schwede 6,5 Kilogramm Tiefgekühltes im Jahr verspeist, sind es in Deutschland im Durchschnitt erst 2,5 Kilogramm. Dazu kommt noch das Geschäft mit der Eiskrem. Aber auch hier verheißt der Blick über den Atlantik eine große Zukunft. Die Amerikaner bringen es pro Kopf auf 25 Liter, die Deutschen erst auf 3,5 Liter im ganzen Jahr.

Das Geschäft mit kalter Kost und Eiskrem ist fast schon ein Monopol der ausländischen Tiefkühlpioniere – Unilever und Nestlé. Auf dem süßen Markt spielt bundesweit nur das Nürnberger Eis-Unternehmen Schöller eine Rolle. Bei der Tiefkühlkost gelang es lediglich den Konsumgenossen mit ihren „Tiko“-Produkten, aus dem Monopol der Ausländer ein Stück herauszubrechen. Auch das nur mit einem rigorosen Schachzug: Die Tiefkühltruhen der Konsumhändler waren lange Zeit nur mit „Tiko“-Gefrorenem gefüllt.

Bei Oetker, dem wohl größten rein deutschen Nahrungsmittelkonzern, setzte sich die Erkenntnis, daß „mit Back- und Puddingpulver, keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen sind“, so Oetkers Chefstratege Sandler, in diesem Jahr wieder einmal durch: Mit viel Elan wurde „Dr. Oetkers Eis-Vergnügen“ bundesweit auf den Markt gebracht. Mit der Oetker-Eiskrem sollte – Oetkers historischer Anspruch auf den Dessertteller der Deutschen neuen Auftrieb bekommen.