Von Wolf Donner

Unser Fernsehprogramm ist das beste aller nur möglichen und denkbaren; die für dieses Programm Verantwortlichen sind Menschen jenseits alltäglicher Kategorien, Idealfiguren, die es im Grunde gar nicht gibt, die dennoch ab und zu auf dem Stuhl eines Programmdirektors zu finden wir uns unendlich glücklich schätzen müssen.

Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man das Ergebnis einer Umfrage nachliest, die die katholische „Funk-Korrespondenz“ veranstaltet hat: Welches sind die Aufgaben, Eigenschaften und Qualifikationen eines Fernseh-Programmdirektors?

Gefragt wurden Hans Abich, Intendant von Radio Bremen; Lothar Hartmann, ARD-Programmdirektor; Werner Höfer, Direktor des Westdeutschen Fernsehens; Manfred Jenke, Leiter eines Informations- und Auslandsdienstes am NDR; Hans Joachim Lange, Fernsehdirektor vom Südwestfunk Baden-Baden und vorher vom WDR Köln; Dieter Stolte, Leiter der ZDF-Programmplanung; Reinold E. Thiel, ehemaliger Filmredakteur am Westdeutschen Fernsehen, und Carl Weiß, ZDF-Auslandskorrespondent.

Das Ergebnis der Umfrage liest sich wie das Stichwortverzeichnis zu einem jener zahlreichen Anleitungsbücher über „den idealen Chef“, den „Weg nach oben“ oder „die Kunst, beliebter Vorgesetzter zu sein“. Ein Halbgott muß sein, wer den Anforderungen dieses Postens, „begehrt und umkämpft – von Personen und Parteien“, gerecht werden will.

Dennoch, auch diese Allmächtigen sind nicht unberührt von den leidigen Erfordernissen des Tages; ganz banal fängt das zunächst an: Der Fernsehdirektor ist verantwortlich für Inhalt und Produktion des Programms, er stellt ein und entläßt Mitarbeiter, er führt und plant, entscheidet und organisiert, wirtschaftet und verwaltet.

Die Crux des administrativen Top-Managements wird beschworen; vier Fünftel der Arbeitszeit, so klagt einer, nimmt dieses saure Geschäft in Anspruch. Als Ausgleich und Trostbonbon wird den Geplagten „irgendeine Macke“ konzidiert: Zu einer Muse „sollte er ein Verhältnis haben“, in einer Programmsparte darf er „Fachmann“ sein. Damit er den Kontakt zum Fußvolk nicht verliert...