Rudolf Absolon: „Die Wehrmacht im Dritten Reich“, Band I, 30. Januar 1933 bis 2. August 1934; Schriften des Bundesarchivs Nr. 16, Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1969; 445 Seiten, 30,– DM.

Als die Reichswehr der ersten deutschen Republik so alt geworden war, wie heutzutage die Bundeswehr – dreizehn Jahre –, wurde ausihr die Wehrmacht. Von dieser „Zeitenwende“ 1933/34 handelt der erste Band des Werkes „Die Wehrmacht im Dritten Reich“ von Rudolf Absolon, dem Leiter der Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs in Kornelimünster. Das umfangreiche Material, das von Absolon in zwanzigjähriger minuziöser Arbeit zusammengetragen und ausgewertet wurde, soll 1972 in sechs Bänden und einem Registerband vorliegen.

Schon der erste Band mit seinem Rückblick auf das Militärwesen in Preußen, im Kaiserreich und in der Weimarer Republik sollte unkritische Anbeter der „Tradition“ ernüchtern: Was 1933/34 anhob, trennte sich schnell von der Reichswehrtradition und knüpfte nur oberflächlich an „Preußen“ an. Bei aller Verschiedenheit zwischen damals und heute ergeben sich aus den Gesetzen, Vorschriften, Erlassen und anderen Quellen, die Absolon ausführlich zitiert, nützliche Vergleiche und Reflexionen. Die Wandlung der „Berufspflichten des deutschen Soldaten“ zum Beispiel sollte man bei der Diskussion über die „Innere Führung“ der Bundeswehr nicht außer acht lassen:

In den am 25. Mai 1934 auf acht Punkte geschrumpften „Pflichten des deutschen Soldaten“ war schließlich eine Rechte-, Schutz- und Beschwerdeklausel überhaupt nicht mehr enthalten! Dafür war schwülstig von „Ehrendienst am deutschen Volke“ die Rede.

Absolons erster Band bietet auch nachdenkenswerten Stoff zum Thema „allgemeine Wehrpflicht“. In der Bundesrepublik wurde die Wehrpflicht teils als „legitimes Kind der Demokratie“ (Heuss) verklärt, teils als Folge vertraglicher Verpflichtungen gegenüber dem Westen ausgegeben; unbestreitbar verdankt die Bundeswehr ihre „innere Not“ nicht zuletzt dieser Einrichtung. Die Reichswehrführung hingegen hat die allgemeine Wehrpflicht gar nicht gewollt!

Die Reichswehr – das 100 000-Mann-Heer und die Reichsmarine mit 15 000 Mann – war eine Berufstruppe von Freiwilligen mit mindestens zwölfjähriger Dienstzeit. Als Hitler der Reich,wehrführung 1933 seine Aufrüstungsforderung präsentiert hatte, entwarf der Chef des Ministeramtes, der spätere Generalfeldmarschall

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