Die Aktien von Investors Overseas Services IOS Ltd., Konzernholding nach kanadischem Recht, sind keine Börsenrakete, geworden. Deutsche Zeichner dieser Aktien, die 40 Mark für eine IOS-Aktie gezahlt haben; können sie heute zwar zum Preis von 48 Mark verkaufen, doch ein Kursgewinn von 20 Prozent rechtfertigt die einst hochgespannten Erwartungen kaum. Schlecht sind alle Leute dran, die im außerbörslichen Handel IOS-Aktien zu Kursen bis 120 Mark erstanden haben.

Für diese Kursübertreibung ist die IOS nicht verantwortlich zu machen. Im Gegenteil, sie hat alles getan, um den Handel „per Erscheinen“ zu verhindern. Daß er indessen die Verhandlungen der IOS mit den Emissionsbanken über die Festsetzung des Ausgabepreises für die IOS-Ltd.-Aktien erleichtert hat, kann unterstellt werden. Die Banken wollten einen Emissionspreis von höchstens 9 Dollar je Stück, IOS-Chef Bernard Cornfeld setzte sich durch und ließ zu 10 Dollar verkaufen.

Viele IOS-Neuaktionäre machen sich Sorgen um den Kurs. Bei einem geschätzten Gewinn je Aktie von 0,42 Dollar, wie er anläßlich der Emission der Papiere in Aussicht gestellt worden war, ergibt sich ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von etwa 32 (erstklassige deutsche Aktien haben einen Wertfaktor von nur 14 bis 16). Damit wird deutlich, daß in dem heutigen Kurs bereits ein erheblicher Teil des IOS-Wachstums vorweggenommen worden ist. Was geschieht aber, wenn die Zukunft weniger gut werden wird, als das der Kurs ausdrückt?

Die für die ersten 9 Monate dieses Jahres veröffentlichten Gewinnzahlen sind nicht gerade ermutigend. Zwar hat sich gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres eine Gewinnsteigerung je Aktie von 0,17 auf 0,26 Dollar ergeben, aber damit ist man von den geschätzten 0,42 Dollar für das Gesamtjahr noch weit entfernt. Die IOS-Aktionäre können nur hoffen, daß die letzten drei Monate so gut werden, daß das Jahresziel noch erreicht werden wird.

Noch ist nicht klar ersichtlich, wo die Gründe für das nicht den Erwartungen entsprechende Gewinnwachstum liegen. Sicher ist jedoch, daß auch für IOS die Zeit der mühelosen Gewinne vorüber ist. Während sich die IOS-Vertreter in der Vergangenheit auf den Verkauf weniger Fonds konzentrieren konnten, müssen sie heute auf einem größeren Investment-Klavier spielen, das zudem nicht immer wohlgestimmt ist. In jedem Monat bringt IOS neue Fonds zur Welt. Sie verursachen Anlaufkosten und verringern zunächst einmal den Gewinn.

IOS ist nicht mehr ausschließlich Fondsgesellschaft, sondern steigt immer mehr in das Versicherungs- und, Bankgeschäft ein. Damit stößt Cornfelds Truppe auf einen in sich bereits festgefügten Markt und hat damit ähnliche Kosten auf sich zu nehmen wie Banken und Versicherungen auch. Hier gibt es keine Marktlücke, jeder Marktanteil muß hart erkämpft werden. Das kostet Geld.

Fonds-Neugründungen, der Einstieg ins Bank- und Versicherungsgeschäft, in die Immobilienbranche und letztlich auch die Abwicklung der eigenen Kapitalerhöhungen haben den IOS-Apparat offensichtlich überfordert. Durch die schleppende Abwicklung fühlen sich IOS-Kunden geschädigt. So klagt „Welt“-Leserin Heide Sell von Winterfeld: „Wegen der bevorstehenden Mark-Aufwertung beauftragte ich Anfang September die IOS mit dem Umtausch meiner Anteile am IOS-Fonds ‚Fund of Funds‘ in ‚Investors Funds‘. Die Ausführung meines Auftrages wurde trotz des für jedermann erkennbaren Risikos einer Aufwertung unmittelbar nach der Bundestagswahl derart verzögert, daß ich schließlich einen Aufwertungsverlust von 650 Mark erlitt, als mir nach über einem Monat die neuen Zertifikate ausgehändigt wurden. Nach langem Drängen gewährte mir die IOS einen Schadensausgleich, jedoch nur in Höhe von 200 Mark.“