Es wäre wohl falsch, einen Zusammenhang herzustellen zwischen der Tatsache, daß der neue Präsident der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, Friedrich Conzen, unter anderem auch Antiquar ist, und der hartnäckigen Weigerung der Mehrheit der Delegiertenversammlung des Einzelhandels, die selbständigen Händler in die Masse der Versicherungspflichtigen einzureihen. Grotesk allerdings erschien die Äußerung des Hamburger Drogisten Heinrich Gewandt, der von der Gefahr eines deutschen „Poujadimus“ orakelt, würde man sich dazu entschließen.

Grotesk wohl vor allem angesichts der eigens zur Klärung dieser Frage erstellten Meinungsumfrage. Das Ergebnis dieses Plebiszits unter den Selbständigen ergab nämlich, daß 77,3 Prozent der Befragten für eine Einbeziehung der Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung eintraten und 58,8 Prozent eine derartige Regelung auch für sich selbst befürworten.

Ausgerechnet die Einzelhändler, die in der Frage der Preisbindung der zweiten Hand den Staat so gern an seine „Fürsorgepflicht“ für den Mittelstand erinnern, schwören in ihrer Altersvorsorge auf die „Freiwilligkeit“, die ihrer „Lebensauffassung entspricht.“ Daß trotz dieser Lebensauffassung wegen der veränderten Strukturlandschaft im Einzelhandel auch die Sozialfürsorge bei so manchem Älteren von gestern und morgen eingreifen muß, hat die Hauptgemeinschaft wohl zuwenig bedacht. hff