Wenn man in einer großen Tageszeitung eine Schlagzeile liest wie „Nixons Geheimplan für Vietnam zwiespältig aufgenommen“, dann spürt man: Da ist ein so schönes Wort wie „geheim“ dabei, seinen ganzen geheimnisvollen Zauber zu verlieren. Man fragt sich beklommen: Wie geheim ist eigentlich geheim? Wenn mit diesem Wort derartig Schindluder getrieben wird, dann mag es wohl keinen großen Schaden stiften, wenn wir den jüngsten Kontakt Hanoi –Washington preisgeben, der so geheim ist, daß er nur dieser Zeitung bekannt ist:

Hanoi: Das war widerlich, wie Sie unsere Geheimkontakte preisgegeben haben. Cabot Lodge hatte uns Geheimhaltung zugesagt!

Washington: Das hatte er uns leider verheimlicht. Aber wenn er so was wieder gut, müssen wir ihn preisgeben. Es war auch nicht fair von Ihnen, Ihren Ärger über uns öffentlich auszuposaunen. Das wäre auch unter vier Augen gegangen. Was wird die Welt jetzt von uns denken?

Hanoi: Das hätten Sie sich etwas früher fragen sollen. Was nennen Sie eigentlich „unter vier Augen“?

Washington: „Unter vier Augen“ heißt: so geheim, daß Peking und Moskau zwei Tage brauchen, um zu wissen, was los wir.

Hanoi: Warum hat Nixon unsere Geheimkontakte preisgegeben?

Washington: Irgend etwas mußte er; schließlich preisgeben. Sollte er vielleicht unseren geheimen Rückzugsplan preisgeben?