Nun ist auch einer der reichsten deutschen Klubs, der Hamburger Sportverein (HSV), in die roten Zahlen geraten. Bei der Hauptversammlung wurde jetzt offenbar, daß der berühmte HSV im letzten Geschäftsjahr fast eine Million Schulden gemacht hat. Diese Unterbilanz kam nicht etwa durch teuere Amateurabteilungen zustande, sondern allein durch die Ausgaben für die Profikicker, die als! Angestellte des Vereins im Vergleich zu ihren Leistungen viel zu hoch bezahlt werden.

Genau das Gegenteil von dem, was man erwartete, ist eingetreten. Als der Profifußball in der Bundesrepublik in Anlehnung an die Amateurvereine eingeführt wurde, geschah dies in der Hoffnung, daß die Balltreter auch erkleckliche Summen für die Amateure einspielen würden. Heute sind aber fast alle Großvereine mit einer Bundesligamannschaft in solche finanziellen Schwierigkeiten geraten, die oft sogar ihre Existenz bedrohen.

Die HSV-Führung will ihr traditionsreiches Klubhaus am Rothenbaum verkaufen, damit den Kickern weiterhin horrende Gehälter bezahlt werden können. Die Zuschüsse an die Amateurabteilungen, besonders an die Leichtathleten, sollen dagegen drastisch eingeschränkt werden.

Ein alter Olympiakämpfer machte in der Versammlung den bescheidenen Einwand, doch einen eigenen Bundesligaausschuß einzusetzen, da der Vorstand hierfür nicht die speziellen Sachkenntnisse besitzen könne. Er erntete nur den indignierten Tadel des Präsidenten, eines Hamburger Rechtsanwaltes.

Tatsächlich tut aber nicht nur ein besonderer Ausschuß, sondern die klare Abtrennung der Berufsspielerabteilung vom Gesamtverein not. Diese sollte nicht nur beim HSV, der uns als Paradebeispiel dient, sondern bei allen Bundesligavereinen in eine eigene GmbH umgewandelt werden. Ein Verein mit gemeinnützigen Zielen und eine Profifußballmannschaft, die heute schon weit mehr der Vergnügungsindustrie als der Sportbewegung angehört, können einfach nicht länger unter ein und derselben Firmierung zusammen existieren. Der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesligavereine sollten diese Situation endlich richtig erkennen und die nötigen Folgerungen ziehen, ehe renommierte deutsche Sportvereine den Bankrott anmelden müssen.

A.M.