Nicht Pornographiesüchtige, sondern die emsigen Sittenwächter bedürfen einer sexualpädagogischen Behandlung. Dieses Fazit läßt sich jedenfalls aus einer Befragung amerikanischer Sex-Experten ziehen.

Die beiden Mediziner Dr. Michael Lipkin (Universiät Chicago) und Dr. Donald Carns (Northwestern University) fragten unlängst 3400 Psychiater und Psychologen nach ihren Erfahrungen mit Pornographie. Vier Fünftel von ihnen hatten noch nie einen Fall von Triebverbrechen gesehen, bei dem Pornographie eine wesentliche Rolle spielte. Etwa ebenso viele meinten, daß die Betrachtung sexuell reizender Bilder oder pornographische Lektüre niemanden zum Sexualtäter werden läßt.

Wer andererseits heftig gegen Pornographie zu Felde zieht (so glauben 86 Prozent der befragten Fachleute), wird vermutlich durch ungelöste Sexualkonflikte angetrieben. So erklärten denn auch 71 Prozent der Umfrageteilnehmer, daß sich kaum genügend qualifizierte Zensoren finden lassen, die sich ein objektives Urteil darüber erlauben könnten, was andere erwachsene Menschen sehen oder lesen dürfen. -oe-