Von Hellmut Glubrecht

Im Abschluß-Statement stand der Satz: „Die wachsende Kluft zwischen den mehr und den weniger entwickelten Ländern ist mindestens ebenso eine Gefahr für den Frieden wie der Rüstungswettlauf.“ Diese Feststellung klang immer wieder durch bei den „Arbeitsgesprächen“ der Gruppe von Teilnehmern, die nach dem Programm über Welternährungskrise, Bevölkerungsexplosion, Weltenergieversorgung und Wissenschaftspolitik in den Entwicklungsländern diskutieren sollten.

Die Diskussion konzentrierte sich auf einen Vorschlag des in der Photosyntheseforschung international bekannten amerikanischen Biologen Rabinowitsch. Unabhängig von allen bestehenden Organisationen sollte eine International Foundation for Scientific and Technical Development“ gebildet werden, die kleineren Gruppen insbesondere junger Wissenschaftler in Entwicklungsländern Mittel zur Bearbeitung von Forschungsvorhaben zur Verfügung stellt, die von aktueller Bedeutung für ihr Land sind. Eine solche von allen politischen Bindungen unabhängige Förderung könnte auch dem Brain Drain entgegenwirken und den Lehrbetrieb an den Universitäten beleben.

Entscheidend war, daß dieser Vorschlag auch die Zustimmung der sowjetischen Tagungsteilnehmer fand. Bis zur nächsten XX. Pugwash-Konferenz will man gemeinsam konkrete Vorschläge für einen Start – wenn auch zunächst mit bescheidenen Mitteln – ausarbeiten.

Ein weiterer Beschluß dieser Konferenz war die Durchführung eines Internationalen Pugwash-Symposiums über Realisierbarkeit der verschiedenen Vorschläge zur Oberwindung des Proteinmangels in den Entwicklungsländern. Unzureichende Eiweiß Versorgung liegt heute schon bei 80 Prozent der Bewohner der Entwicklungsländer vor und kann zu nicht wieder ausgleichbaren physischen und geistigen Schädigungen führen. Die Wissenschaft bietet ein breites Spektrum von Hilfsmaßnahmen an, aber ihre Realisierbarkeit muß im Rahmen wirtschaftlicher, soziologischer, psychologischer und politischer Gegebenheiten geprüft werden.

Dieses Symposium wird im Mai 1970 in der Bundesrepublik durchgeführt werden und damit die erste größere Pugwash-Veranstaltung in unserem Lande sein. Die Studiengruppe Welternährung der „Vereinigung Deutscher Wissenschaftler“ hatte seit Jahren Vorarbeiten in dieser Richtung geleistet. Finanziell wird die Tagung durch die Bereitschaft der „Deutschen Stiftung für Entwicklungsländer“ ermöglicht, die gemeinsam mit dem Continuing Pugwash Committee das Symposium organisatorisch vorbereiten wird.

Auf der XX. Pugwash-Konferenz in Chikago dürfte den Fragen der Entwicklungsländer sicher ein noch breiterer Raum zugestanden werden als in diesem Jahr. Die Gespräche in Sotschi zu diesem Thema wurden in einer Einmütigkeit geführt, die ermutigend ist. Man darf erwarten, daß die gleiche Kooperationsbereitschaft sich auch auf dem in Deutschland stattfindenden Pugwash-Symposium zeigen wird.