Die „Deutsche Welle“, die über kurze Wellen täglich 89 Programme in dreißig Sprachen um die Welt strahlt, hat zum 40. Geburtstag des deutschen Kurzwellenrundfunks einen Wettbewerb mit weltweitem Aktionsradius veranstaltet.

Sie wollte von ihren Hörern in aller Welt, unter Zusicherung von Reisen und Preisen als der Mühe Lohn, gern wissen, wie sich das Bild von Deutschland und den Deutschen in den Augen unoffizieller und unprominenter Menschen in nahen und fernen Ländern ausnimmt. Auf diese Weise wollte man eine Bestätigung oder eine Berichtigung des Bildes, das die Deutsche Welle – auftragsgemäß – von Deutschland in die Welt projiziert, als Rückprojektion ins Kölner Funkhaus holen, als Gegenprobe – unzensiert, unmanipuliert.

Die Welt-Quiz-Frage hieß: „Wie sehe ich Deutschland und die Deutschen Die Partner wurden ausdrücklich ermuntert, weder eine Wiederholung von Klischees noch eine Laudatio aus Komplimenten zu Papier zu bringen, sondern freimütig und kritisch zu sagen, was sie, an Deutschland denkend, auf dem Herzen und vor Augen haben.

Die Resonanz war überraschend – in jeder Weise, nach Quantität und Qualität. 5391 Einsendungen wurden registriert, 200 prämiiert, von Flugtickets bis zu Transistorgeräten. Unter den Antworten waren auch Zeichnungen und Karikaturen. Selbstverständlich kehrten auch alle Zwangsvorstellungen und in verzeihlicher Beharrlichkeit alle Negativerinnerungen wieder: Die Deutschen mit Mercedes oder Volkswagen, mit Maß oder Molle, Deutschland ein Kasernenhof oder ein Konzentrationslager.

Das Gros der Briefe aber enthält differenzierte Urteile, was besonders für die Zuschriften aus sozialistischen Ländern gilt. Als außergewöhnlich informiert und außerordentlich interessiert erwiesen sich vor allem die polnischen Absender. Diese Äußerungen scheinen die neue Tonart, auf die sich der Dialog zwischen Bonn und Warschau einzustimmen beginnt, aufzugreifen, vielleicht auch vorwegzunehmen, indem sie der unreflektierten Polemik, wie sie von polnischen Politikern und Publizisten lange Zeit gepflegt wurde, deutlich widersprechen.

Ein Deutscher kann sich nicht besser verstanden fühlen als durch den Satz eines polnischen Angestellten :

„Wenn ich über Deutschland und die Deutschen schreibe, so unterscheide ich nicht Ost und West; ich betrachte Deutschland als Ganzes, weil ich mir ein geteiltes Deutschland nicht vorstellen kann.“