Ohne grundlegende Änderung ist das Agrarsystem der EWG nicht zu retten – doch in Bonn und Brüssel herrschen Ratlosigkeit

Hunderte von nervenzerreibenden Sitzungen, 90 Prozent aller Konferenzen des Ministerrates, haben die EWG-Minister gebraucht, um den „Motor der europäischen Integration“, den gemeinsamen Agrarmarkt, in Schwung zu setzen. Zwei Wechselkursänderungen, die Abwertung des Franc und die Aufwertung der Mark, haben den Motor zum „Stottern“ gebracht.

Was derzeit in Brüssel geschieht, ist nichts weiter als der verzweifelte Versuch, den seit langem nur noch mit halber Kraft laufenden Motor wenigstens in Gang zu halten. Dabei ist nicht einmal mehr sicher, ob er noch die Integration antreibt oder nur die Überschußproduktion der Mitgliedsländer, vor allem Frankreichs.

Sicher ist in jedem Falle, daß die Franzosen den Agrarmarkt, so wie er ist, erhalten wollen; und das aus einsichtigen Gründen. Indem EWG-Paradies künstlich hochmanipulierter Agrarpreise konnte sich vor allem die französische Landwirtschaft „übervoll“ entfalten.

Das Ergebnis: aus dem gemeinsamen Agrartopf, der mit Abschöpfungen auf Einfuhren aus „dritten“ Ländern und mit Beiträgen der Sechs gefüllt wird, erhält Frankreich dreimal so viel, wie es einzahlt – ein gutes Geschäft mit dem Überfluß.

Frankreich verlangte, als es um den Aufbau des gemeinsamen Marktes ging, einen hohen Preis. Den im Sinne Englands „freundlichen Fünf“ wollte es den Zutritt zum eigenen Industriemarkt nur gewähren, wenn diese auch bereit waren, seine Agrarüberschüsse abzunehmen.

Die Fünf stimmten zu, und die Sechs konstruierten ein kompliziertes Agrarsystem, das von Anfang an den Treibsatz einer subventionierten Überschußproduktion in sich barg.