Wie lang ein Meter ist, wie schwer ein Kilo, ist international geregelt. Aber wie hoch das A sein sollte, ist umstritten. Esherrschen chaotische Zustände um das A, den Ton, nach dem die Instrumente gestimmt zu werden pflegen. Sein Wert schwankt, je. nach Landes- oder sogar Ortssitte, um einige Schwingungen, manchmal gar um einen Viertelton. Und keine internationale Konferenz hat bisher zu einer Einigung führen können.

„Man hat darüber konferiert, über das A?“ fragte ein Bekannter und lachte. „Da war die Konferenz in Stuttgart Anno 1834“, erwiderte ich flüssig (denn ich hatte es auf einen Zettel notiert), „die von Wien 1885, die von London 1939, die von Salzburg 1968, die von Florenz im Mai dieses Jahres.“ Und mein Bekannter lachte.

Er hatte schon manche „Sechser“-Konferenz über Butter, Milch und Käse mitgemacht. Aber daß gebildete Menschen aus verschiedenen Nationen zu bestimmten Orten reisen – wegen des A, das kam ihm lächerlich vor. Zeit, Spesen, Überzeugungskraft vergeudet, bloß um das A ein bißchen höher oder tiefer anzusetzen: hahaha!

Lacht nur, vereinigte Banausen, die ihr bisher die Butter-, Milch- und Käse-Frage ebenfalls nicht regelt konntet! Mir jedenfalls steht Beethoven vorläufig noch höher im Rang als eine Kuh oder-sogar als Mansholt und Ertl!

„Wieso denn das?“

„Für Beethoven hat beispielsweise das c-Moll etwas Kämpferisches, Tragisches; siehe die Symphonie, mit deren Thema die Engländer uns im Kriege die schlechten Nachrichten in ihrem Rundfunk schmackhaft machten: Bumm bumm bumm bumm – so klopft das Schicksal an die Pforte! Erinnern Sie sich? Das cis-Moll aber hat bei ihm etwas zart Verträumtes. Mondscheinsonate. Schraubt man willkürlich an dem A, so verrutschen die Tonarten. Das C und das Cis treffen sich auf der Mitte. Das mag ein Ideal für Butter-, Milch- und Käse-Konferenzen sein; im beethovenschen Sinne ist es nicht ideal.“

Nun gut, das sah mein Bekannter ein. Gegen Beethoven ist schlecht etwas vorzubringen. Und das war der Moment, ihm zu sagen, daß die Instrumentenbauer natürlich auch daran interessiert sind, wenn eine einheitliche Stimmung angestrebt wird; schon aus Gründen des Exports. „Allerdings“, sagte mein Bekannter, „wer ist da nicht an einheitlicher Stimmung interessiert!“