C.-C. K., Bonn, im November

Für den Bonner Hausgebrauch hat das Ergebnis der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen nur begrenzten Wert. Der Erschütterung der sozial-liberalen Koalition durch ein Debakel der Freien Demokraten an Rhein und Ruhr ist ausgeblieben. Zwar hat die FDP im Vergleich zu den letzten Gemeindewahlen knapp 1,9 Prozent der Stimmen verloren; gemessen an der Bundestagswahl ist ihr Anteil indessen um 0,7 Prozent gewachsen, und mit besonderer Zuversicht mag die Partei erfüllen, daß ihr die Rückkehr in einige großstädtische Rathäuser geglückt ist. Das deutet darauf hin, daß ihr in den Städten eine linksliberal orientierte Wählerschar die Stange hält – eine Wählergruppe, die sich vielleicht noch vergrößern läßt.

Die SPD hat an einigen Orten erhebliche Verluste hinnehmen müssen, im Schnitt aber gegenüber der letzten Kommunalwahl nur geringfügige Einbußen erlitten. Wahlmüdigkeit, Abnutzung nach zwanzigjähriger Herrschaft in vielen Gemeinden und die Vermutung, daß ein Teil der SPD-Wähler nach dem sozialdemokratischen Erfolg in Bonn den Gang zur kommunalen Stimmurne nicht mehr für so wichtig hielt, bieten sich als Erklärung für die Verluste an.

Die CDU, mit einem Gewinn von 2,2 Prozent gegenüber der letzten Kommunalwahl, kann sich darüber freuen, daß die Kette ihrer nordrhein-westfälischen Mißerfolge offenbar unterbrochen ist. Sie kann in einigen Städten beträchtliche Fortschritte verzeichnen.

Die speziellen Faktoren, die Gemeindewahlen bestimmen – die geringere Wahlbeteiligung, die Popularität der örtlichen Parteigrößen, das Gewicht einzelner Lokalprobleme, das Auftreten freier Wählervereinigungen –, verboten es von vornherein, schlankweg von einer Testwahl nach dem Bonner Umschwung zu sprechen. Der wirkliche Test aber steht noch aus, bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und anderswo.