Reform oder nicht Reform – das ist die Frage, die auf dem Bundesparteitag der CDU am 17. und 18. November in Mainz eine wichtige Rolle spielen dürfte. Der CDU-Vorsitzende Kurt Georg Kiesinger hat in den letzten Tagen unterschiedliche Ansichten über Notwendigkeit und Art von Reformen innerhalb seiner Partei geäußert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Hamm plädierte der ehemalige Bundeskanzler für „Reformen an der Basis“ („Wir müssen weg von den schrecklichen Sitzungen der Ortsvereine in den Hinterzimmern von Gastwirtschaften“), für eine Neuorganisation der Parteiarbeit und neue Wahlkampftechniken der Union. In einem Interview mit dem Südwestfunk wandte er sich gegen „überspitzte Reformforderungen“ in seiner Partei. Was jetzt nötig sei, sei ein Entwicklungsprozeß, ein ständiger Anpassungsprozeß der CDU.

Ungeachtet der Themen, die auf dem Mainzer Parteitag eine Rolle spielen werden, scheint eine wichtige Entscheidung bereits gefallen zu sein: Die Wiederwahl Kiesingers zum Bundesvorsitzenden. Bundesvorstand und Bundesausschuß der CDU haben sich am Wochenende bei Beratungen in Bcnn bereits eindeutig dafür ausgesprochen. Kampfabstimmungen werden hingegen bei den Wahlentscheidungen über de fünf Stellvertreter des Parteivorsitzenden erwartet.

Ebenfalls für die Wiederwahl Kiesingers hat die Junge Union plädiert. Auf dem Deutschlandtag wählte auch sie ihren neuen Bundesvorstand. Mit 134 von 178 Stimmen wurde der 32 Jahre alte Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Jürgen Echternach Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Klepsch. In einer neugefaßten Satzung beschloß die Junge Union, das Höchstalter ihrer Mitglieder von bisher 40 auf 35 Jahre herabzusetzen. Auf der Abschlußveranstaltung des Deutschlandtages forderte Echternach die CDU auf, ihre Oppositionsrolle nicht als Schicksalsschlag zu empfinden, sondern den Rollentausch als Chance zu begreifen.