Auch die Verschiebung der Haager Gipfelkonferenz der Europäischen Gemeinschaften um zwei Wochen auf den 1. und 2. Dezember hat die Erwartungen auf ihren Ausgang nicht optimistischer werden lassen. Bundesaußenminister Scheel, der in Paris und Brüssel vorbereitende Gespräche für die Konferenz geführt hatte, warnte vor übertriebenen Hoffnungen. In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ erklärte der Außenminister, die europäischen Probleme seien zu schwierig, als daß man von einem Gipfeltreffen sensationelle Ergebnisse erwarten könne. Schwierigkeiten für das Treffen der Regierungschefs der EWG-Länder werden vor allem in den Fragen der Finanzierung der Gemeinschaft und des Beginns von Beitrittsverhandlungen mit Großbritannien erwartet. Scheel meinte, es sei kein Geheimnis, daß Frankreich das Beitrittsgesuch Großbritanniens nicht „mit der gleichen Verve“ unterstützt habe wie die übrigen Partner.

Die Frage der Erweiterung der Gemeinschaft spielte am Wochenanfang auch eine besondere Rolle bei der dritten und letzten Vorbereitungsrunde der sechs EWG-Außenminister für die Gipfelkonferenz. Wie der stellvertretende Ministerratspräsident, der holländische Staatssekretär Koster, im Anschluß an die Beratungen der Außenminister erklärte, hat es „eine außerordentlich nützliche“ letzte Vorbereitung des Gipfeltreffens gegeben. Allerdings nähere sich die Gemeinschaft nur „Schritt für Schritt mühsam“ einem Datum für die Eröffnung von Beitritts Verhandlungen.

In Vorbereitung der Gipfelkonferenz hatten am Wochenende Carlo Schmid, der neue Koordinator für die deutschfranzösischen Beziehungen, und Bundesaußenminister Scheel Besprechungen mit der französischen Regierung geführt. Wie Scheel anschließend an die Gespräche mit seinem Amtskollegen Schumann mitteilte, sind die Meinungsverschiedenheiten zwischen Bonn und Paris über eine Beschleunigung der Einigung Europas „nicht unüberwindlich“. Aus deutschen diplomatischen Kreisen in Paris verlautete dazu, zwischen der deutschen und der französischen Regierung geführt, „weitgehende Übereinstimmung“ über die nächsten Schritte zur europäischen Entwicklung. Das Problem der Aufnahme Großbritanniens sei jedoch nicht ausführlich erörtert worden.

Wegen dieses und einiger anderer Probleme war die durch die Erkrankung des italienischen Außenministers Moro notwendig gewordene Verschiebung der Gipfelkonferenz in den EWG-Ländern allgemein begrüßt worden. Diplomaten in Brüssel hatten ohnehin mit Sorge festgestellt, wie dürftig die Konferenz vorbereitet war.

In Kreisen der italienischen Regierung suchte man unterdessen den Anteil Roms an der Verschiebung der Haager Konferenz als möglichst gering darzustellen. Italien habe nicht die Vertagung der Konferenz verlangt, erklärte der italienische Vertreter bei den europäischen Behörden in Brüssel. Sein Land habe nur sondiert, ob mit allgemeiner Zustimmung ein kurzer Aufschub möglich sei.