Die Situation im Nahen Osten war in den letzten Tagen gekennzeichnet durch sehr entgegengesetzte Entwicklungen, Während sich bei den amerikanischsowjetischen Verhandlungen Fortschritte für eine Nahostregelung andeuteten, kamen aus Kairo kriegerische Töne.

Wie in New York bekannt wurde, ist bei den Gesprächen zwischen dem amerikanischen Unterstaatssekretär Sisco und dem sowjetischen Botschafter in Washington, Dobrynin, eine Annäherung über die Möglichkeiten zu einer schrittweisen Lösung der Nahostkrise erzielt worden. Danach sollen Einzelheiten einer Friedensregelung unter Anwendung der Rhodos-Formel von 1949 direkt zwischen Israel und den arabischen Staaten ausgehandelt werden. Die Araber sollen ihre Bereitschaft zu einem „permanenten Frieden“ und die Israelis zum Abzug aus den seit 1967 besetzten Gebieten bekunden.

Im Zusammenhang mit den Fortschritten bei den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen wurde in Washington auch von einer Wiederaufnahme der seit dem 1. Juli dieses Jahres unterbrochenen Vierergespräche über Nahost gesprochen. Gleichzeitig äußerten sich amerikanische Kreise optimistischer über eine Reaktivierung der Mission des UN-Sonderbotschafters Jarring.

Der arabische Verteidigungsrat, der zum ersten Mal seit zwei Jahren in Kairo zusammentrat, bezeichnete alle Versuche, eine politische Regelung der Nahostkrise herbeizuführen, als „bereits gescheitert“. Die Außen- und Verteidigungsminister aus dreizehn arabischen Ländern stellten fest, die einzige Lösung sei „Mobilisierung und Krieg“, und plädierten für eine Gipfelkonferenz der arabischen Staaten im Dezember.

Noch eindeutiger äußerte sich der ägyptische Staatschef Nasser. In einer Rede vor der ägyptischen Nationalversammlung, seiner ersten öffentlichen Ansprache seit drei Monaten, betonte Nasser, die Araber hätten keine andere Wahl, als „die Schicksalsschlacht gegen Israel zu schlagen.“ „Nur mit Macht und Gewalt“ und „in einem Meer von Blut“ könnten die Araber ihr Ziel erreichen,

In ihrem ersten Einsatz im Mittelmeer seit dem Juni-Krieg 1967 haben Einheiten der ägyptischen Kriegsmarine am Wochenende israelische Anlagen am Suez-Kanal beschossen. Zur gleichen Zeit erklärte Israels Verteidigungsminister Dayan, sein Land werde „eine militärische Lösung finden“, die den Ägyptern beweisen werde, daß sich solche Kommando-Unternehmen nicht lohnen.