„variablen Bilder“, acht dieser Bilder sind in Köln ausgestellt, dazu einige Zeichnungen, Modellstudien, Arbeiten aus den letzten drei Jahren. Nicht Puppenbühne, eher Schattentheater: aus Plastik oder Eisenblech werden Silhouetten geschnitten und bemalt, mit Magneten ausgestattet und auf der Spielfläche arrangiert. Auf den ersten Blick sieht das, was Fahlstrom inszeniert, immer ganz lustig und harmlos aus (das erklärt vermutlich, warum Privatsammler sich um seine Stücke reißen), bis der Betrachter über irgendein Detail stolpert, ein obszönes oder widerliches oder jedenfalls bösartiges Detail, und wenn das Detail, diese säuberlich ausgeschnittene Flachfigur von Julius Cäsar oder dem Papst oder Präsident Nixon sich als Träger ehrwürdiger Traditionen präsentiert, dann wird es durch das figurative Ensemble der nackten Mädchen oder Leidensmarionetten oder Ertrinkenden seiner autoritären Würde entkleidet. Fahlstrom geht wie ein Geheimagent zu Werk, der hinter modisch aktueller Tarnung Aggression einschleust. Sein Repertoire reicht vom absurden Theater bis zum Zeitstück und zum politischen Kabarett, wobei die Kategorien durcheinandergeraten, was man je nachdem als Schwäche oder Vorzug seiner Kunst registrieren kann. „Africa“ 1966, „The little General“ 1968, „Black House“ 1968 und „Green Seesaw“ 1968/69 demonstrieren Engagement auf einer Ebene, die von den engagierten Realisten derzeit nicht erreichbar ist.

Gottfried Sello

München Bis zum 7. Dezember, Kunstverein: Jim Dine, Entwürfe zum „Sommernachtstraum“ und „Das Bildnis des Dorian Gray“

Spektralfarbene Bänder rahmen das Proszenium, der Vorhang auf der Vorbühne zeigt ebenfalls das Regenbogenmotiv: Dines „Sommernachtstraum“-Szene gleicht einer riesigen Musikbox, die den underground sound zu einem nächtlichen Sex-Happening liefert. Die Personen, die auf diesem Jahrmarktskarussell der Leidenschaften mitfahren, treten als Figuren aus der Traumwelt unserer imaginären Zeitgenossen auf, wobei die mit diesen verknüpften Vorstellungen auf die Dramengestalten projiziert werden: Oberon, ganz in Silber, die Schultern wie bei einem Footballspieler gepolstert, verkörpert als eine Art Supermann das emotionslos-unreflektiert Heldische; Titania, die elfische Barbarella, wird zum Lustobjekt mit Nana-Signalen; Puck, halbnackt, mit regenbogenfarbener Körperbemalung, ist der skrupellose Bösewicht – ein elisabethanischer Dr. No. Das Quartett der Liebenden verharrt in statusbewußter, dandyhafter Anonymität, die Handwerker sind von der Dringlichkeit ihres Berufsalltags völlig in Anspruch genommen. Bei der Aufführung im Actor’s Workshop in San Francisco (1966) wurde an Dines Entwürfen vieles geändert, vereinfacht, gemildert; manches war nicht praktikabel; so machten die scheppernden Pfannen und Tiegel, mit denen Schnauz, der Kesselflicker, behängt war, einfach zu viel Lärm. Dennoch bleibt die an den Skizzen ablesbare Konzeption bemerkenswert Freilegung der in diesem Matinee-Klassiker enthaltenen „brutalen Erotik“ (Jan Kott) mit Hilfe von Pop-Allegorien.

Dines Vorliebe für rainbom colors ist das einzige, Was seine Entwürfe zu Shakespeare und Wilde verbindet. Die Zeichnungen zum „Picture of Dorian Gray“ – der Künstler hat den Roman gemeinsam mit Robert Kidd dramatisiert – enthalten die nostalgische Beschwörung eines verlorenen Paradieses, in dem Kunst und Leben noch eine Einheit bildeten. Über Dorians letztem Gewand, einem modischen Büßerhemd, hängt an einer Kette ein blutendes Herz: Symbol der Trauer über die zerstörte Schönheit, die uns Nachgeborenen nur noch als Fratze zurückgeworfen von den trüben Spiegeln ästhetisch umfunktionierter Oberflächen trivialer Gegenstände zugänglich ist. Helmut Schneider

Weiterhin im Programm: Berlin Bis zum 30. November, Akademie der Künste: „Alexander Camaro“

Eine weiträumige Retrospektive, vom „Hölzernen Theater“ bis zu den Objekten neuesten Datums, eine Lektion über Bereitschaft und Schwierigkeiten eines arrivierten deutschen Malers, mit der Zeit Schritt zu halten.