Jahrhundertelang wurden sie vergiftet, vergast, beschossen und erbittert gejagt. Den beharrlichsten Begleitern der Menschheit in die Zivilisation war solches Treiben allenfalls lästig, gefährlich wurde es ihnen nie. Das soll jetzt anders werden. Die Upjohn Company of Kalamazoo in Michigan (USA) hat eine Substanz entwickelt, mit der sich die Rattenpopulationen – sie werden allein in Paris auf drei, in den Vereinigten Staaten auf neunzig Millionen geschätzt – von selbst drastisch dezimieren werden.

Das erdachte Verfahren: die „Pille“ für Rattenmänner. Das Mittel unterbindet im männlichen Tier die Produktion von Spermien, ohne gleichzeitig dessen Gesundheit oder sexuelle Bedürfnisse zu beeinträchtigen.

Die Vorteile solch verdeckter Kampfführung liegen auf der Hand. Auch gesunde, energische und aggressive Männchen, naturgemäß erfolgreich im Ringen um die Gunst der Weibchen, nehmen weiter am Kampf um Terrain und Nahrung teil. Bei Versuchen in Kalamazoo beobachteten die Forscher innerhalb von 64 Tagen bei 71 von 77 sich bietenden Gelegenheiten eine Paarung einschlägig behandelter Männchen. Das weibliche Tier zeigt danach alle Symptome einer Schwangerschaft und lebt – doppelter Betrug am unterlegenen Konkurrenten – für elf Tage, mehr als doppelt so lange wie sonst, total enthaltsam.

Nach Angaben von Dr. R. J. Ericsson ist die Substanz nicht, giftig und relativ ungefährlich für Haustiere und Menschen; sie ruft allenfalls bei Affen eine vorübergehende Sterilität hervor. Bei Mäusen wiederum wirkt sie überhaupt nicht. Die Chemikalie ist noch nicht im Handel erhältlich. Der Hersteller testet sie gegenwärtig auf mögliche Nebenwirkungen. Das Mittel ist geschmacklos und kann Wasser oder fester Nahrung beigemischt werden. Die Ratte bemerkt es nicht. Einmaliger Genuß macht steril. P. J.