Amerikas Kapitalisten sind gar nicht mehr so kapitalistisch. Während sich die amerikanischen Unternehmer in der Vergangenheit ungeniert zum Geldverdienen als dem Sinn des Lebens bekannten, sind ihre modernen Nachfahren, die Manager, fast schon selbstlose Diener des Gemeinwohls.

Eine Untersuchung des amerikanischen Wirtschaftsmagazins „Fortune“ brachte es an den Tag. 325 Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende, der größten amerikanischen Unternehmen wurden von dem Motiv- und Meinungsforscher Daniel Yankelovich nach ihrer Meinung zu gesellschaftspolitischen Problemen gefragt. Die Antworten waren für amerikanische Verhältnisse erstaunlich.

Nur zehn Prozent der Befragten meinten, Gewinne machen sei das „einzige Geschäft des Geschäfts“. Dagegen plädierten immerhin 17 Prozent dafür, die Wirtschaft sollte – selbst auf Kosten der Gewinne – öffentliche Verantwortung übernehmen.

42 Prozent der Unternehmer entschieden sich für einen goldenen Mittelweg. Sie vertraten die Ansicht, die Wirtschaft habe sich zunächst um angemessene Gewinne zu kümmern, solle dann aber öffentliche Aufgaben übernehmen, selbst wenn dabei nichts „herausspringen“ würde.

Den Wandel, der sich in solchen Antworten dokumentiert, nannte Fortune denn auch selbst „historisch“. In Zukunft will man diesem Lauf der Geschichte ganz dicht auf den Fersen bleiben. Regelmäßige Befragungen sollen Änderungen in der Unternehmerphilosophie alsbald der Öffentlichkeit offenbaren.

Wen die grundsätzliche Einstellung der amerikanischen Manager zu Fragen des öffentlichen Lebens überrascht, dem wird erst recht ihre Stellungnahme zu einzelnen Problemen erstaunen. 56 Prozent der führenden Vertreter der amerikanischen Wirtschaft, die gern als „imperialistisch“ bezeichnet wird, nannten den Vietnamkrieg die „gegenwärtig schwerwiegendste Gefahr für die amerikanische Wirtschaft“ – noch vor der Inflation, vor den Großstadtproblemen und vor den Studentenunruhen.

Aber die Unternehmer wurden nicht nur nach ihren Sorgen befragt, man wollte auch wissen, wie die Wirtschaft ihrer Meinung nach helfen kann. Bildungsförderung, Bekämpfung von Wasser- und Luftverschmutzung, aber auch die Chancengleichheit für Angehörige von Minderheiten, das sind die Ziele, für die sich nach dieser Umfrage die Wirtschaft vorrangig engagieren sollte.