DIE ZEIT

Entlassener Minister

Der Sozialminister Eisenmann in Schleswig-Holstein, zugleich Landesvorsitzender der FDP, ist kurzerhand vom Ministerpräsidenten Lemke entlassen worden.

Staatsposten als Parteien-Beute?

In Washington, so lautet die ebenso unsinnige wie weitverbreitete Mär, werde bei einem Präsidentenwechsel vom Staatssekretär bis hinunter zur Putzfrau jedermann aus den Ministerien hinausgejagt.

Assistent als FU-Präsident?

An der Freien Universität Berlin droht am Montag etwas zu scheitern, was liberale Universitätsreformer sich gedacht hatten, als sie an die Stelle des im Turnus zwischen den Fakultäten ausgehandelten, dauernd wechselnden Rektors einen von der Gesamtheit der Universität auf sieben Jahre gewählten Präsidenten zu setzen vorschlugen.

Keine Antenne

Wer da meinte, die Bundesregierung jetzt schon zu einer "grundsätzlichen Zustimmung" zur Einführung des privaten, sprich: kommerziellen Fernsehens verleiten zu können, hat sich geirrt.

CDU ohne Marschbefehl

Als Siegesfeier war der CDU-Parteitag in Mainz ursprünglich konzipiert, inzwischen aber ist die Union aus der Regierung ausgebootet, und statt den Sieg zu feiern, mußte sie versuchen, sich in der neuen Oppositionsrolle zurechtzufinden.

Horchposten auf dem Mond

Der Flug verläuft weiterhin ohne besondere Vorkommnisse." Mehr war über Apollo 12 in den Nachrichten kaum zu erfahren, als sich Charles Conrad, Richard Gordon und Alan Bean auf ihrer langen Reise zum Mond befanden.

ZEITSPIEGEL

"Die Art, wie in Europa seit Jahren Politik gemacht wird, verstößt gegen die prinzipiellen Erkenntnisse der modernen Psychologie und Pädagogik.

Hoheit aus dem Handgelenk

Im Mai 1962 fand in der Londoner Fishmanagers Hall ein Festessen statt. Die Fischhändlerzunft gab es zu Ehren eines berühmten Londoner Cricketvereins, und bei dieser Gelegenheit sollte ein Scheck für den gesamten Cricketsport überreicht werden.

"Oh Herr, was sollen wir tun?"

Der Schluß sollte eine Fanfare sein und klang doch eher nach gestopfter Trompete. Bis zur Erschöpfung, so versprach Kurt Georg Kiesinger den Delegierten, werde er zum Wohle der Opposition und für ihre Rückkehr in die Regierung arbeiten.

Italiens "heißer Streikherbst"

Die Streikwelle in Italien, so formulierte kürzlich mit romanischer Selbstironie ein Journalist, sei die Fortsetzung des dolce far niente mit anderen Mitteln.

Revolte gegen den Kreml

Der letzte Freiheitsrest, der dem tschechoslowakischen Volk geblieben ist, verringert sich fast von Tag zu Tag. Aber zugleich verstärken sich im Weltkommunismus die Kräfte, die – auf lange Sicht – auch nach Prag jenen Geist zurücktragen könnten, der von den russischen Panzern zermalmt wurde.

Schicksale unter Stalins Schatten

Männer und Frauen, die meisten um Vierzig, schritten auf dem schmalen Weg bis zu dem Grab der zweiten. Frau Stalins, blieben dort eine Weile stehen und bedrängten einen alten Mann, der offenbar ortskundig war, mit Fragen.

Sonntagsredner mit dem Dampfhammer

Washington, im November Nicht wenigen Amerikanern lief ein Schauerüber den Rücken, als sie in der vergangenen Woche Vizepräsident Spiro Agnew auf dem Bildschirm sahen.

Kraftprobe mit den Konservativen

Der Tag, an dem Indira Gandhi endgültig aufhörte, "nur" die Tochter Nehrus zu sein, läßt sich jetzt genau fixieren. Es war der 16.

Wolfgang Ebert:: "Ausgerechnet Lenin"

"ADF, so ’n Quatsch. Es hätten mehr Genossen NPD wählen sollen. Das hätte die Polarisierung vorangetrieben, der Faschismus wäre gezwungen worden, sich in seiner nackten Gestalt zu zeigen, man hätte wieder gegen uns Knüppel geschwungen, hätte uns zusammengeschlagen; uns vielleicht in irgendwelche Lager gesteckt – aber das hätte doch unseren Zusammenhalt sehr gefördert, und diese ganze Selbstzerfleischung wäre uns erspart geblieben, so aber .

"Selbst bei Hitler..."

Die rechtskatholische Presse Westdeutschlands bemüht sich neuerdings, die neue Bonner Regierungskoalition aus SPD und FDP zum Katholiken-Schreck aufzubauen.

Uran aus Amerika

Entrüstet behauptete die "Humanité" dreispaltig: "Ein neues München." Die französische Atom Wissenschaft sei von der Regierung zur Abdankung gezwungen worden.

Neuer Nuklearplan der Nato

Ein "grundlegendes Dokument" über die atomare Verteidigung Europas hat die Nukleare Planungsgruppe der Nato auf ihrer Tagung in der Nähe von Washington erarbeitet.

SALT – ein "historisches Ereignis"

Der sowjetischen Verhandlungsdelegation, die vom stellvertretenden Außenminister Wladimir Semjonow geführt wird, gehören an: der stellvertretende Chef des sowjetischen Generalstabes, Ogarkow, der stellvertretende Minister für die Radioindustrie, Plesakow, Generaloberst Alexijew, der Experte für Elektronik, Schtschukin, und der Leiter der Amerika-Abteilung des Moskauer Außenministeriums, Kornjenko.

Apollo 12: "Junge, ist das schön dort unten"

Mit erstaunlicher Gelassenheit verfolgt die Welt die zweite Mondreise der Amerikaner. Dennoch sind die Ausflüge zum Erdtrabanten noch längst nicht zu einer Routineangelegenheit geworden.

Barzel: "Weg durch Dornen"

Einen "Weg durch Disteln und Dornen" hat der Fraktionsvorsitzende der Unionsparteien im Bundestag, Rainer Barzel, der Christlich-Demokratischen Union prophezeit.

Dokumente der ZEIT

Die Hallstein-Doktrin ist tot...............................................................................................

Bald Gespräche mit Moskau

Die Bundesregierung strebt eine baldige Aufnahme der Verhandlungen mit Moskau über gegenseitige Gewaltverzichtserklärungen an.

Indira Gandhi triumphierte

In einen persönlichen Triumph verwandelte Indiens Ministerpräsidentin Indira Gandhi die bisher schwerste Bewährungsprobe, die sie seit ihrem Amtsantritt im Januar 1966 zu bestehen hatte.

In Saarbrücken wurde der NPD-Parteitag verboten: Thadden im Hinterhof

Als könnte einen Adolf von Thadden nichts, aber auch gar nichts irritieren, als gäbe es nichts an der alten, kämpf- und sturmerprobten Devise zu rütteln: "Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter" – der Führer der Nationaldemokraten läßt die "starken Herzen" seiner schon so oft geschlagenen Mannen wieder und wieder höher schlagen.

Las Vegas am Rhein

Als Blücher in der Neujahrsnacht 1813/14 mit seiner Armee über den Rhein setzte, schaffte er die Voraussetzungen für seine Siege bei La Rothiere und Laon über Napoleons Soldaten.

Kölsches Gemüt triumphiert

Die jungen Sozialdemokraten im Kölner Rathaus lästern – über ihn, ihr Fraktionschef John van Nes Ziegler nörgelt an ihm herum und läßt ungern eine Gelegenheit vorübergehen, ohne ihm ein Beinchen zu stellen – doch wie nutzlos sie ihre Energien vergeuden, stellte sich jetzt erst wieder heraus, als die kölsche Stimme aus tiefstem Herzen sprach und zu Protokoll gab: Theo Burauen, der Kölner Oberbürgermeister, ist der Größte und keiner ist ihm gleich.

Warendorfer Schildbürger

Zündhölzer und ein Sportverein sind schuld daran, daß aus Warendorf, der "Stadt des Pferdes", ein Sticken-Städtchen wurde. Denn wenn nicht bald ein kleine Wunder geschieht, droht der Ort, der seine bundesrepublikanische Prominenz weit eher seinen Hengstparaden als der heimischen Fußballelf verdankt, von Streichhölzern, die das westfälische Platt gern "Sticken" nennt, überschwemmt zu werden.

Um des Studenten Bart

Jörg hatte sich so verändert, daß ich ihn kaum. wiedererkannte. Etwas fehlte – ja, natürlich, sein Bart war ab. Von seinem schönen, gepflegten.

Schwarzes Magazin

Eine Gruppe katholischer Verleger, die der CDU/CSU nahesteht, will 1970 ein Magazin herausgeben. Initiator des Unternehmens und "Sprecher der Verleger-Gruppe" ist der frühere Chefredakteur des im Boulevardstil für die Union und die konservative Kirche gleichermaßen werbenden Massenblattes "neue bildpost", Claus Peter Clausen.

Von acht bis zehn

Am vorigen Montag sagte der Abgeordnete B.: "Es war diesmal Mode, nicht CDU zu wählen." (Es sollte offenbar ironisch klingen, ein christdemokratischer Angehöriger der gens du bon ton sprach von oben herab, doch in Wahrheit verriet dieser Satz den Bankrott der Moralität.

Fernsehen: Wollte Cäsar sterben?

Seltsam, eigentlich überraschend, daß vor Walter Jens keiner drauf gekommen ist. Der Gedanke, Cäsar habe von seiner Ermordung gewußt, den Jens zum Ausgangspunkt seines Fernsehspiels "Die Verschwörung" machte, erscheint einleuchtend, ja wirkt faszinierend.

SDS-Bruder Lustig

Das Ende des VDS glich einem Operettenfinale: Die Sozialisten aus dem Vorstand zogen, flankiert von ihren Brüdern und der schönen Schwester Mona Steffen vom harten Kern des SDS in Frankfurt, in die Hamburger Hochschule für bildende Künste ein, in deren Eingangshalle das Traditionsfähnlein der VDS-Hinterbliebenen schon zwei Stunden geduldig auf die Selbstkritik der SDS-Bankrotteure gewartet hatte.

Die Dritte Säule

Man hörte in letzter Zeit wenig von ihr, außer Klagen über zu wenig Geld. Nun legt der Regierungswechsel eine neue Aufmerksamkeit auch für dieses Gebiet nahe.

Vorzüge und Nachteile von Informationen aus erster Hand

Es gehört seit jeher zu den Eigenarten dieser Zeitung, daß sie gern die am Geschehen unmittelbar Beteiligten zu Wort kommen läßt, ihren Lesern also Informationen aus erster Hand bietet oder, wie die Engländer es so schön plastisch ausdrücken: straight from the horse’s mouth.

Kunstkalender

Neuendorf zeigt ihn zum erstenmal kollektiv in Deutschland, ein paar Bilder und Zeichnungen und die gesamte Graphik, die sich bequem in einem kleinen Raum unterbringen läßt, vierzehn Blätter seit 1958.

Kampf ums Ballett

Die Intendanz der Hamburgischen Staatsoper ist zu dem Entschluß gekommen, die Pantomime auf Kosten des Balletts im Musiktheater einzuführen.

Was sie oft sind und nicht sein sollten: Selige Inseln Kunst

Der Bildschirm, heißt es oft, ist die stärkste Konkurrenz zum Buch oder Film, zum Theater, Konzert und zur Ausstellung. An der Art, wie das Fernsehen über diese Medien berichtet, wird deutlich, ob es wirklich Konkurrenz ist, Ersatz – oder aber Hinweis und Anregung zur Beschäftigung mit eben diesen Dingen, ein Anreiz, der uns Lust macht zum Hingehen, Lesen, Ansehen.

FILMTIPS

"Mouchette" (1967), von Robert Bresson. "Goto – Insel der Liebe", von Walerian Borowczyk. "Adam II", von Jan Lenica. "Blutige Spur", von Abraham Polonsky.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Anarchie sagten die einen, und als Formalismus taten es die anderen ab; für die chaotischen Äußerungen von Bürgerschrecks hielten es die einen, für die Restauration traditioneller Formen mit neuem Material die anderen: Die Atonalität des ersten und die Zwölftontechnik des dritten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts gerieten, schon als die konzipiert wurden, sofort in die Zange zwischen Tradition und Fortschritt.

ZEITMOSAIK

Alle diese Gesichter besaßen frappante Ähnlichkeit mit Masken, so lautet der psychoanalytische Ausdrude für die Tatsache, daß uns Gezwungenheiten zur zweiten Natur werden und daß wir uns an allerlei Gewohnheiten oder ironisches Geleit durchs Leben geben, indem oft Folgen mächtiger werden als ihre Ursachen, diese einfach völlig verdeckend.

Der lautlose Umsturz

Ein Gespenst geht um in Spanien, so könnte man Karl Marx frei variieren. Allerdings handelt es sich diesmal nicht um das Gespenst des Kommunismus, das zwar jenseits der Pyrenäen immer noch bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit von den Wortführern des Franco-Regimes beschworen wird, aber doch dreißig Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs manches von seinen Schrecken verloren hat.

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