In den vielen, im offiziellen Touristenführer aufgeführten Restaurants trifft der ausländische Besucher vornehmlich seinesgleichen. Das hat den Vorteil, daß die Bedienung dort fremde Sprachen versteht. Da ist zum Beispiel die "Quinta" bei Monsieur Eiffels Fahrstuhl, da ist in einer Seitenstraße des Rossio der "Gambrinus" oder gleich hinter dem Theater "Manel" – gute portugiesische Küche, bezahlbar mit Diners-Club-Karten. Will man aber zusammen mit Portugiesen auf echt portugiesische Weise essen, kann man auch unbesorgt, in jedes der kleinen Lokale eintreten, in dem die Angestellten aus den Geschäften und Büros Mittag machen. In der Rua dos Correiros zum Beispiel liegt eines neben dem anderen, darunter das vorzügliche "O Lisboa". Zwischen 12.30 und 13.30 Uhr ist es schwer, einen Platz zu finden.

Auch die Schalentiere, Lagostas und Lagostins, ißt man gut in den kleinen Restaurants, in denen die aufgeknackten Schalen ruhig auf den Boden fallen dürfen – beispielsweise in der muschelverzierten "Adega Berlenga" in der Rua Barros Queiros oder anderen in der Rua das Portas de Santo Antäo. In der gleichen Straße liegt auch das berühmte "Solmar". Spezialität: der Hummer wird bei Bestellung frisch und lebendig aus einem Bassin gefischt und schaut den Gast vor seinem Ende noch einmal aus treuen Hummeraugen an.

Ein Geheimtip unter den kleinen, volkstümlichen Restaurants: "O Porto de Abrigo", in der Rua dos Remolares, 16 (bei den Markthallen). Spezialität: Viera, ein Vorgericht aus Muscheln und Krabben. Ebenso gut: Santola (Seespinne), Polvo (Achtfüßler), Eiró grelhada (gegrillter Aal), Lulas (kleine Tintenfische) – und viele Fleischgerichte. Danach zum Dessert vielleicht einen kleinen "Bauch der Klosterschwester", eine übersüße Süßspeise.

Will man sein Essen mit einem herrlichen Blick über Fluß und Stadt verbinden, muß man ein Motorboot an der Praça do Comercio nehmen (rechte Landungsbrücke) und zum anderen Ufer des Tejo nach Cacilhas fahren zur "Floresta do Ginjal". Tischbestellung ist ratsam. Lohnend ist auch eine Fahrt (Taxi 20 Minuten) zu dem am Rand eines herrlichen Parks gelegenen Schlößchen "Queluz", dem Sanssouci von Lissabon. Dort ist die alte Schloßküche, die "Cozinha Velha" in ein erstklassiges Restaurant verwandelt worden.

Daneben gibt es die ganz, ganz feinen, allen voran "Aviz" und "Tavares", Restaurants mit Tradition. Sie eignen sich nicht für abgehetzte Touristen mit durchschwitztem Hemd und drei Photoapparaten um den Hals. Hier tafelt man mit den Häuptern von Ministerien und Adelshäusern. Tischbestellung unerläßlich.

  • Musik am Abend: Viele Lokale nennen sich "Restaurante tipico". Ihnen ist gemeinsam, daß sie typisch sind nur für das, was sich der typische Tourist unter typisch vorstellt: imitierte Bauerntrachten für die Bedienung. Es sind in der Regel Abendlokale, in denen man als Beigabe zum Diner den berühmten "Fado" hören kann. Wer meint, er könne hier nur wegen der Musik herkommen und sich mit einer Flasche Wein begnügen, der irrt: er wird von mürrischen Kellnern an einen schlechten Tisch verwiesen und zahlt zum Schluß eine hohe Minimum-Charge, für die er mindestens ein halbes Abendessen bekommen hätte. Eine üble Unsitte.

Dennoch: der schwermütige Fado, einst der Gesang des Volkes in den Tavernen, wird heute in den teuersten Lokalen am besten gesungen. Ein Abend in "A Severa" oder "Lisboa à noite" ist ein lukullischer und musikalischer Genuß. Lieder und Tänze aufbereitet zur Bühnenshow kann man im gepflegten Restaurant "Folklore" erleben. Volkstümlicher und musikalisch auch nicht schlechter sind "Tipoia" oder "Parreirinha d’Alfama". Essen und Darbietungen beginnen ab 22.00 Uhr. Zuerst kommen die Anfänger, später die Stars. Stimmungsvoll wird’s nach Mitternacht, wenn die Reisegesellschaften in ihre Autobusse verladen sind.